Haşim Çelik – Berührungsängste abbauen-Begegnungen schaffen Sport-Inklusionsmanager Haşim Çelik

Berührungsängste abbauen-Begegnungen schaffen. An diesen wichtigen Details zu mehr Inklusion arbeitet Sport-Inklusionsmanager Haşim Çelik in der Deutschen Taekwondo Union.

Haşim Çelik

Foto: Sport-Inklusionsmanager Haşim Çelik

Im DOSB-Projekt „Qualifiziert für die Praxis: Inklusionsmanager/innen für den gemeinnützigen Sport“ werden insgesamt 21 hauptamtliche Stellen für jeweils zwei Jahre in einem Sportverband oder –verein geschaffen und von verschiedenen Menschen mit Schwerbehinderungen besetzt.

Die behinderten Arbeitnehmer/innen werden im Themenfeld Inklusion aktiv und führen je nach Bedarf und Neigung verschiedene Projekte durch. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln der Ausgleichsabgabe gefördert.

Das gemeinsame Ziel ist es, die Inklusion im und durch Sport weiter voran zu bringen.

In diesem Monat stellen wir Ihnen Haşim Çelik vor. In seiner Kampfsportart Taekwondo begegnet er Berührungsängsten oft auf beiden Seiten. Schulklassen mit überwiegend nichtbehinderten Schülerinnen und Schülern, Eltern von Kindern mit Behinderung und auch die Trainerinnen und Trainer haben ähnliche Fragen und teilweise Ängste: „Darf“ man Menschen mit Behinderung überhaupt –selbst im Training- angreifen? Können sich Menschen mit Behinderung verteidigen? Sie können! Wie das funktioniert beweist der von Geburt an behinderte Weltmeister Haşim Çelik in vielen Workshops. Quelle:DOSB


 

„Man muss sich einfach nur trauen.“ Haşim Çelik baut Berührungsängste im Taekwondo ab.

 

„Ziemlich traurig“ seien die Eltern gewesen, die ihn kürzlich um Unterstützung baten, erzählt Haşim Çelik: „Der Trainer des örtlichen Taekwondo­ Vereins hat sie weggeschickt, weil er sich das Training mit einem Kind mit Behinderung nicht zutraute.“

Als Sport­Inklusionsmanager in der Deutschen Taekwondo Union ist es sein Part, in solchen Fällen zu vermitteln und Berührungsängste abzubauen. „Die meisten Trainer sind noch relativ unerfahren, können sich zum Beispiel gar nicht vorstellen, dass man auch im Rollstuhl Taekwondo machen kann.“ Denn in dem koreanischen Kampfsport wird üblicherweise viel mit den Beinen gekickt. „Doch es geht auch anders.

Man muss andere Choreografien entwickeln, macht dann eben viel mehr mit den Armen und verfeinert da die Technik.“ Haşim Çelik hat als Jugendlicher mit dem Taekwondo angefangen, war im kleinen Verein in seiner Heimatstadt Treuchtlingen damals der einzige Sportler mit Behinderung. „Der Trainer war sehr offen, hat mich langsam an diesen Sport herangeführt.“ Das Gleichgewicht zu halten, sei für ihn behinderungsbedingt eine besondere Herausforderung gewesen:

„Für die Balance brauchte ich ein Spezialtraining“, erzählt der 27­Jährige. Nach vier Jahren Training war er fit für den Schwarzen Gürtel, 2013 wurde er Weltmeister und 2015 Europameister. Seit 2016 ist er deutscher Nationalsportler und sein nächstes großes Ziel sind die Paralympics 2020 in Tokio. Darauf bereitet er sich beim KSC Leopard Nürnberg vor, wie gehabt in einem inklusiven Umfeld:

„Ich trainiere da ganz normal mit.“ „Inklusion geht nicht von oben herab“, ist Haşim Çelik überzeugt. Als Sport­Inklusionsmanager bietet er im Rahmen des DOSB­Projekts Workshops für Taekwondo­Trainer an und spürt dabei häufig: „Viele haben Angst, im Kontakt mit Menschen mit Behin derung etwas falsch zu machen.“ Er will die Trainer sensibilisieren, etwa für die Möglichkeiten, die Taekwondo für Menschen mit geistiger Behinderung bietet und für die besonderen Bedarfe, die sie haben. „Man muss sich einfach nur trauen. Durch offene Kommunikation kommt man weiter“, sagt der Sport­Inklusionsmanager. Viele Ängste und Vorbehalte kann er in den Trainer­Workshops zerstreuen, wenn er als Experte in eigener Sache von seiner erfolgreichen Sport­Karriere berichtet. Und wie ist es ausgangen mit den Eltern, die vom örtlichen Trainer weggeschickt wurden und sich an Haşim Çelik w andten?

Der Sport­Inklusionsmanager ist zuversichtlich: „Ich bin noch dran. Aber wir werden bestimmt einen Weg finden. Da bin ich ganz sicher.“ Das Projekt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) „Qualifiziert für die Praxis: Inklusionsmanager/innen für den gemeinnützigen Sport“, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Ausgleichfonds, finanziert 21 Stellen für schwerbehinderte Menschen im gemeinnützigen Sport.

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