Geschlossen gegen neuen Verband

Geschlossen gegen neuen Verband

Damit hat wohl niemand gerechnet. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die von der Deutschen Taekwondo Union (DTU) einberufen wurde, sollten die Vertreter von allen 17 Landesverbänden am vergangenen Sonntag nur über eine Frage abstimmen: Soll der Verband TUNRW als Landesverband in die DTU aufgenommen werden? Die Meinung der Landesverbände ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Mit 58 Stimmen sprachen sich alle Landesverbände gegen die Aufnahme der TUNRW aus! Es gab keine einzige Stimme für die TUNRW. Aus der Sicht der TUNRW ist das eine niederschmetternde Abstimmung mit der klaren Botschaft der Landesverbände „Wir wollen Euch nicht!“.

Die Ablehnung der Landesverbände ist der momentane Höhepunkt eines Verfahrens, mit dem sich die DTU seit mehr als einem Jahr herumschlagen muss.

Von den eigenen Vereinen abgewählt

Die Ursache für die heutigen gerichtlichen Auseinandersetzungen liegt aber noch weiter zurück. Ungefähr 2015 stellten mehrere Vereine in Nordrhein-Westfalen einen Antrag auf die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Bei dieser Versammlung sollte Antonio Barbarino, der damalige Präsident der Nordrhein-Westfälischen Taekwondo Union (NWTU) als Präsident abgewählt werden.

Nachdem Antonio Barbarino öffentlich erklärte, dass er keine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen wird, beantragten die NWTU-Vereine beim zuständigen Gericht eine einstweilige Verfügung. Wie zu erwarten war, entschied das Gericht, dass die von der NWTU geforderte Versammlung durchgeführt werden muss. Bei der ziemlich turbulenten Versammlung wurde Antonio Barbarino als Präsident abgewählt. Wie sich zeigte, gab er die Schuld an seinem persönlichen Waterloo seinem gewählten Nachfolger Musa Cicek.

Gründung eines neuen Taekwondo-Verbandes

Aus den Erzählungen von Betroffenen weiß man, dass eine Wahlniederlage für viele Amtsinhaber ein tief einschneidendes Ereignis darstellt. Nicht jeder kann souverän mit so einer Niederlage umgehen. Manche suchen einen Schuldigen für die zugefügte Schmach, andere wiederum suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, wie sie nachträglich beweisen können, dass sie zu Unrecht abgewählt wurden.  

Niemand wird wohl je erfahren, was in Antonio Barbarino vorging. Fest steht aber, dass er unmittelbar nach seiner Abwahl einige seiner Anhänger um sich scharte, um mit ihnen einen neuen Taekwondo-Verband zu gründen, und zwar die TUNRW. Von Anfang an war es sein Ziel, als zweiter Landesverband in Nordrhein-Westfalen aufgenommen zu werden, um anschließend eine Aufnahme bei der DTU zu erzwingen.

Mit manipulierten Mitgliederzahlen als Verband anerkannt

Beim Landessportverband Nordrhein-Westfalen werden neu gegründete Kampfsportverbände beim Budo-Dach-Verband aufgenommen. Natürlich müssen sie die geforderten Aufnahmekriterien erfüllen.

Nachdem Antonio Barbarino beim Budo-Dach-Verband das Amt des Vizepräsidenten innehatte, war man dort ganz offensichtlich bei der Prüfung der von ihm gemeldeten Mitgliedsvereine sehr nachsichtig. Dem Prüfungsgremium des Budo-Dach-Verbandes war es augenscheinlich vollkommen egal, dass sich unter den neuen Mitgliedsvereinen des neu gegründeten Verbandes auch ein Karnevalsverein, ein türkischer Fußballverein aber auch ein Bodybuilder-Verein befand. Trotz heftiger Proteste aus den Reihen der NWTU wurde der neu gegründete Verband als neuer Verband im Budo-Dach-Verband aufgenommen.

Natürlich wurde gegen die Aufnahme beim Budo-Dach-Verband eine Klage eingereicht. Momentan ist das Landgericht Duisburg wegen der bestehenden Ungereimtheiten in die Beweisaufnahme eingetreten. Ob die Aufnahme in den Budo-Dach-Verband einer gerichtlichen Prüfung stand hält, bleibt abzuwarten.

Klage gegen die DTU

Ungeachtet dessen, reichte Antonio Barbarino im Mai 2017 als Präsident der von ihm gegründeten TUNRW beim Landgericht München eine Klage ein, in der er die Aufnahme seines Verbandes in die DTU forderte. Obwohl während der Gerichtsverhandlungen bekannt wurde, dass eine Entscheidung beim Landgericht Duisburg noch aussteht, dass von der TUNRW die geforderten Aufnahmekriterien nicht erfüllt wurden und darüber hinaus auch noch der dringende Verdacht besteht, dass die beim Gericht vorgelegten Beweismittel hinsichtlich der Vereine und Mitgliederstärken in einem unglaublichen Ausmaß manipuliert wurden, verurteilte das Landgericht München die DTU im April 2018 zur Aufnahme der TUNRW.

Berufung beim Oberlandesgericht München

Da, wie bereits erwähnt, die Aufnahmekriterien von der TUNRW nicht erfüllt wurden und weil sich die Landesverbände bereits vorher gegen eine Aufnahme in der DTU ausgesprochen hatten, legte die DTU beim Oberlandesgericht München eine Berufung gegen die erzwungene Aufnahme ein. Vor ein paar Tagen hat das Oberlandesgericht die vom Landgericht München angeordnete Zwangsvollstreckung auf Aufnahme der TUNRW eingestellt. Die TUNRW muss also – und das ist der momentane Stand der Dinge – von der DTU nicht aufgenommen werden.

Um das angestrebte Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht München mit der mehrheitlichen Rückendeckung seiner Verbände angehen zu können, lud die DTU alle Landesverbände zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nach München ein.

Deutliche Worte von Stefan Klawiter

Bevor das Thema über die Aufnahme der TUNRW zur Aussprache frei gegeben wurde, richtete DTU-Präsident Stefan Klawiter sehr deutliche Worte zum Treiben der TUNRW an die Landesverbände. Niemand, so der Präsident, würde sich gegen die Aufnahme eines neuen Landesverbandes sperren. Allerdings müsste genau geprüft werden, ob tatsächlich alle Voraussetzungen für eine Aufnahme erfüllt wurden. Da sich Antonio Barbarino dazu entschlossen hätte, beim Landgericht München die Aufnahme in die DTU einzuklagen, muss die DTU ihre Rechte zum Wohle ihrer Mitglieder vor einem Gericht wahrnehmen. Selbstverständlich würde die DTU ein Gerichtsurteil akzeptieren  

In seiner Rede ging Stefan Klawiter auch darauf ein, dass Antonio Barbarino in einem Schreiben an alle Landespräsidenten versichert hat, dass die TUNRW im Falle einer Aufnahme ein loyales Mitglied der DTU sein werde, mit der „es keine Forcierung verbandsinterner Streitigkeiten geben“ würde. Momentan, so Stefan Klawiter, spricht nichts dafür, dass dieses Versprechen ernsthaft abgegeben wurde. 

Anonyme Stimmungsmache über Facebook

Was Stefan Klawiter aber sichtlich ärgerte, ist die schäbige Vorgehensweise der TUNRW, anonym über eine Facebookseite mit haltlosen Behauptungen und Lügen ständig Stimmung gegen die gewählten Mitglieder des DTU-Präsidiums zu machen.

Als jüngstes Beispiel dieser feigen Posse nannte Stefan Klawiter die Behauptung auf der Facebookseite, das DTU-Präsidium hätte die Mitgliedsverbände wegen der anstehenden außerordentlichen Mitgliederversammlung angerufen, um allen ins Gewissen zu reden. Er selbst hätte als DTU-Präsident einige Vertreter der Landesverbände erpresst.

Vorwurf der Erpressung

Stefan Klawiter bat die anwesenden Delegierten, hier und jetzt ganz offen mitzuteilen, wer sich von ihm als erpresst gefühlt hätte. Zwei Anwesende bestätigten zwar ein Telefonat, bestritten aber energisch, dass bei diesem Telefonat auch nur der Ansatz einer Erpressung vorlag.

Phantasiezahlen über Prozesskosten

Stefan Klawiter ging auch auf die Phantasiezahlen ein, die von der TUNRW ständig auf ihrer Facebookseite – natürlich wieder anonym – genannt werden. Die dort genannten Summen haben mit der Realität überhaupt nichts zu tun und dienen ganz offensichtlich nur dem Zweck, an der Basis für Stimmung gegen das DTU-Präsidium zu sorgen. Als Nachweis ließ der Präsident den gedruckten Auszug über die tatsächlich anfallenden Kosten verteilen.

Apropos Kosten, in nahezu jedem anonymen Facebook-Beitrag wirft die TUNRW dem DTU-Präsidium vor, sie würde die Gelder ihrer Mitglieder mit Gerichtsprozessen und Anwaltskosten sinnlos verplempern. Wenn man sich die Realität vor Augen führt, dann sind diese Vorwürfe an Zynismus kaum zu überbieten. Es war Antonio Barbarino, der beim Gericht eine Klage gegen die DTU eingereicht hat. Dass er sich danach in der Öffentlichkeit über die dadurch verursachten Kosten aufregt, kann man eigentlich nur als schlechten Witz bezeichnen. Fakt ist, dass das DTU-Präsidium nicht eigenmächtig handelt. Bei derartigen gerichtlichen Auseinandersetzungen wird die DTU immer erst nach Rücksprache und einem Beschluss der Landesverbände tätig.   

Offene Aussprache

Bei der folgenden offenen Aussprache wollte der Bremer Präsident Roland Klein wissen, ob eine Aussprache und Mediation zwischen der DTU und der TUNRW zustande gekommen wäre. Daraufhin erklärte ihm Stefan Klawiter, dass von der DTU eine Aussprache angestrebt wurde. Vom Rechtsanwalt der TUNRW wurde allerdings mitgeteilt, dass eine Mediation keinen Sinn machen würde.

Anschließend verwies Roland Klein auf ein Schreiben vom Rechtsanwalt der TUNRW und wollte wissen, was es mit der dort genannten Strafanzeige von Peter Bolz und seine Anfeindungen gegen Richter auf sich hätte.

Von Peter Bolz wurde daraufhin ausgeführt, dass er die von der TUNRW angegebenen Mitgliedsvereine und Mitgliederstärken überprüft hätte. Dabei wären derart gravierende Ungereimtheiten aufgetreten, dass er bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gegen alle an diesen Manipulationen betroffenen Personen eine Strafanzeige wegen Prozessbetrug und uneidlicher Falschaussage erstattet hätte.

Weiter erklärte Peter Bolz, dass im Zusammenhang mit anderen juristischen Auseinandersetzungen gegen Antonio Barbarino eklatante Ungereimtheiten aufgetreten wären. Aus diesem Grunde hätte er seine Bedenken schriftlich bei der Generalstaatsanwaltschaft in Hamm vorgelegt. Möglicherweise bewertete der Rechtsanwalt dieses Schreiben als Anfeindungen gegen Richter.

Offene Abstimmung

Bevor es zur eigentlichen Abstimmung ging, musste noch die Frage geklärt werden, ob offen oder geheim abgestimmt werden sollte. Von Malte Mergner, Mitglied des Rechtsauschusses, wurde ausgeführt in der Regel offen durch Hochheben der Stimmzettel abgestimmt wird. Eine geheime Abstimmung wäre nur möglich, wenn dies von der Mehrheit gefordert wird. Bei der daraufhin durchgeführten Abstimmung sprach sich eine überaus deutliche Mehrheit für eine offene Abstimmung aus.

Keine einzige Stimme für die die Aufnahme der TUNRW

Bei der ersten Abstimmung, die gemäß der Tagesordnung anstand, ging es um die Frage, ob die TUNRW als neuer Landesverband in die DTU aufgenommen werden soll.

Bei der anschließenden Abstimmung ging es um die Frage, ob die TUNRW als Landesverband in die DTU aufgenommen werden soll. Das Ergebnis war für alle eine riesige Überraschung. Von den 80 zu vergebenden Stimmen sprachen sich die Landesverbände mit 58 Stimmen gegen eine Aufnahme aus. Bei der Frage, wer für eine Aufnahme der TUNRW stimmen würde, blieben alle Stimmkarten unten! Mit anderen Worten, kein einziger Verband sprach sich für eine Aufnahme der TUNRW in die DTU aus! Es gab zwar 22 Enthaltungen, nachdem aber Enthaltungen bei einer Abstimmung keine Rolle spielen, wurde eine Aufnahme der TUNRW von allen Landesverbänden einstimmig abgelehnt.

Grünes Licht für Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht

Bei der nächsten Abstimmung ging es dann um die Frage, ob das Präsidium der DTU beim Oberlandesgericht München das Berufungsverfahren gegen die TUNRW durchführen soll.

Auch bei dieser offenen Abstimmung gaben die Landesverbände der DTU mit 58 Stimmen ihre Unterstützung, dass sie mit allen rechtlichen Möglichkeiten eine Aufnahme der TUNRW in die DTU verhindern sollen.

Auch bei dieser Abstimmung setzte sich kein Landesverband für die TUNRW ein. Auch dieses Mal gab es keine einzige Stimme für die TUNRW. Von den anwesenden 17 Landesverbänden gab es keinen einzigen, der sich für die TUNRW einsetzte! Dass die Ablehnung gegen diesen neuen Verband so deutlich ausfallen würde, hätte sich niemand vorstellen können.

Nach zwei Stunden wurde von DTU-Präsident Stefan Klawiter die außerordentliche Mitgliederversammlung beendet.