Leistungssport – Para Taekwondo

Inklusion im Taekwondo

Der Begriff „Para“ im Para-Taekwondo ist nur eine abgekürzte Schreibvariante des paralympischen Taekwondo-Sports, jedoch wird dies nicht nur als Bezeichnung für den paralympischen Statuten benutzt, sondern fungiert als generelle Wortbedeutung und Oberbegriff für den Behindertensport im Taekwondo.

Auch im Bereich des Behindertensports wird in Leistungs- und Breitensport unterschieden. Je nach persönlichen Fertigkeiten und individuell gesetzten Zielen wählt jeder Sportler seinen Bereich im Para-Sport. Eine große Besonderheit ist jedoch der Inklusionssport. Hier trainieren Sportler aus dem Behindertensport gemeinsam mit anderen Sportlern des Vereins.

Wir haben ein besonderes Interesse daran, dass diese aktive Inklusion in den Vereinen gelebt wird und unsere Sportart von jedermann ausgeübt werden kann, ohne dass Herkunft, Geschlecht, Religionszugehörigkeiten, Neigungen und Behinderungen eine Rolle spielen. Taekwondo für jeden und überall ist das Motto, welches wir anstreben

 

Paralympische Disziplin

Tokyo 2020

Am 31. Januar 2015 hat das Internationale Paralympische Comitée beschlossen, Para-Taekwondo mit in das Programm der Paralympischen Sommerspiele 2020 für Tokio/ Japan aufzunehmen. International besteht ein großes Interesse an dieser besonderen paralympischen Sportart, denn mit seinen dynamischen und energischen Bewegungen im Zweikampf fasziniert es die Zuschauer und bringt sie in einen Bann der Bewunderung.

NEWS:

Das Internationale Paralympische Comitée (IPC) hat am 25. Januar 2019 entschieden, dass Taekwondo auch bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris im offiziellen Programm verteten ist. 

Klassifizierungen im Wettkampfsport

Menschen mit Behinderung kämpfen in fairen Wettkämpfen nach den Regeln der World Taekwondo (WT) gegeneinander. Leistungssport – Para Taekwondo ist eine paralympische Sportart bei den Paralympischen Spielen in Tokyo 2020. Der Wettkampf wird überwiegend von Fuß- und Fausttechniken dominiert. Als Paralympische Disziplin wird bislang nur der Zweikampf anerkannt. Im Technikbereich finden Welt- und Europameisterschaften, sowie Weltranglistenturniere statt. 

Der paralympische Bereich im Taekwondo umfasst aktuell 3 Gewichtsklassen im weiblichen und 3 Gewichtsklassen im männlichen Bereich. Zusätzlich zu den Gewichtsklassen, werden Para-Sportler in Klassifizierungen eingeteilt, welche die Behinderungsart festlegt. Diese sogenannten IPC-Regelungen sind sehr streng festgelegt. Allgemein kann man allerdings sagen, dass der Leistungssport Zweikampf hauptsächlich von Menschen mit Behinderungen an den Armbereichen (Amputationen, Fehlbildungen) ausgeübt wird.

Die Behinderungsarten im Technikbereich sind etwas umfassender und werden ebenfalls in Klassifizierungen eingeteilt. 

P10  - Beeinträchtigung des Sehens

•P20  - Geistige Beeinträchtigung

•P30  - Körperliche Beeinträchtigung

•P50  - Rollstuhl Beeinträchtigung

•P60  - Beeinträchtigung des Hörvermögens

•P70  - Körperliche Beeinträchtigung - Kurze Statur

Alle Para-Klassifizierungen 


Egal ob Zweikampf oder Technikbereich - Wir von der DTU sind sehr bemüht, den Bereich Para-Sport in Deutschland zu erweitern und freuen uns, wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen. Sprechen Sie uns einfach an!

Inklusion sollte nach unserer Auffassung in jedem Verein gelebt werden. Das dies möglich und auch effektiv sein kann, zeigt unser derzeit einziger Para-Wettkämpfer Hasim Celik vom KSC Leopard. Ein ausführliches Interview aus seiner Zeit als Sportinklusionsmanager beim DOSB können Sie hier noch einmal nachlesen.

 

Weltmeisterliche Para-Athleten


 

Bei der Para-Weltmeisterschaft in Antalya zeigten zwei Deutsche Athleten herausragende Leistungen.

Christopher Frömmgen schrieb mit dem Gewinn der ersten Goldmedaille für einen Para-Techniker Geschichte und krönte sich zum ersten Technik-Weltmeister in der DTU.

Hasim Celik, mitlerweile schon ein erfahrener Para-Sportler, sammelte mit dem Gewinn der Bronzemedaille wichtige Weltranglistenpunkte für sein großes Ziel: die Teilnahme bei den Paralympischen Spielen in Tokio. 

Christopher Frömmgen

Steckbrief

Haşim Çelik

Steckbrief

Kampfsport mit Behinderung? 

Hasim Celik im Interview

Inklusion im und durch den Sport

"Wie die meisten von euch aus der Taekwondo-Szene wissen dürften, bin ich mit beidseitigen Behinderungen an Händen und Füßen zur Welt gekommen. Auch um es all denjenigen, welche mich nicht kennen genauer und bildhafter darzustellen, soll gesagt sein, dass ich an beiden Händen und Füßen keine vollständig ausgeprägten Finger und Zehen habe, sondern nur Finger-Stümmelchen, die Zehen hingegen fehlen zum größten Teil ganz. Somit kann ich beispielsweise beim einfachen Pratzentraining, welches zum standardmäßigen Trainingsprogramm gehört keine Handmitts halten, da durch die Fehlbildung mir auch die Greiffunktion fehlt. Das bedeutet ich bin auf andere mit angewiesen, aber für mich ist das halb so schlimm, denn wozu hat man Freunde, Trainer und sonstige Vereinskollegen, die  mir helfen, ich Ihnen bei Bedarf helfe und wir gemeinsam trainieren. Genau das ist nämlich Inklusion im und durch Sport.  

Inklusion im Sport bedeutet nichts anderes als das gemeinsame Sporterlebnis von Menschen mit und ohne Behinderungen. Die größten Barrieren und Hürden sind meist nur in den Köpfen. Zum Beispiel kann es mal sein, dass der sogenannte „Normalo“ manchmal etwas scheu ist seine Hilfe anzubieten, und möchte dem gehandicapten damit nicht zu nahetreten. Andersherum will der gehandicapte vielleicht mal nicht nervig sein und ist etwas zu schüchtern, um nach Hilfe zu fragen. Auf die Art bilden sich Schwierigkeiten, die hätten vermieden werden können. Daher lege ich einen großen Wert auf die Sensibilisierung.

Inklusion im Sport bedeutet nichts anderes als das gemeinsame Sporterlebnis von Menschen mit und ohne Behinderungen. Die größten Barrieren und Hürden sind meist nur in den Köpfen. Zum Beispiel kann es mal sein, dass der sogenannte „Normalo“ manchmal etwas scheu ist seine Hilfe anzubieten, und möchte dem gehandicapten damit nicht zu nahetreten. Andersherum will der gehandicapte vielleicht mal nicht nervig sein und ist etwas zu schüchtern, um nach Hilfe zu fragen. Auf die Art bilden sich Schwierigkeiten, die hätten vermieden werden können. Daher lege ich einen großen Wert auf die Sensibilisierung.

Erfolge im Nationaldress

Im Spitzensport durfte ich im Taekwondo bereits die Titel des Welt- und Europameisters feiern – und das fast schon ohne je eine Pratze gehalten zu haben. Meine Pratzen hielten unter anderem gute Freunde und Trainingspartner wie Servet Tazegül (Olympia-Sieger London 2012), Sergej Kolb (aktuell Bundestrainer der Sportfördergruppe), Hamza Adnan-Karim (Vize-Europameister für Deutschland, Herren-68 kg) usw. Das gemeinsame Training hat mich mit Sicherheit sehr geprägt, da ich mit Top-Athleten unter härteren Bedingungen habe trainieren müssen, so durfte ich von Ihnen lernen und die von mir. Denn im Para-Taekwondo gibt es leichte Regelunterschiede und nach diesen Regelungen hatten wir unsere Kämpfe stets ausgetragen, so konnten wir sogar auf der Ebene des Leistungssports ziemlich faire Wettkämpfe austragen und so gleichzeitig inklusiv und gleichberechtigt Sport betreiben.

Selbstverständlich geht Inklusion auch im Bereich des Breitensports, und die Art der Behinderung spielt keine Rolle, denn alles kann den vorliegenden Situationen entsprechend angepasst und dementsprechend umgesetzt werden. Wichtig ist nur die gemeinsame Sport-Aktivität. Natürlich ist all das oft so leicht dahingesagt, klar ist es auch, dass es sich hierbei um einen langen gesellschaftlichen Prozess handelt, welcher sich immer fortentwickeln muss. Genau dafür um diesen Prozess anzupacken hat der Deutscher Olympischer Sportbund jetzt ein besonderes Projekt zum Start gebracht und die DTU steht ihren Fragen gerne zur Seite.

DOSB-Projekt: Sport-Inklusionsmanager/innen im gemeinnützigem Sport 

Um den Anteil von Menschen mit Behinderungen im Sportbetrieb und in den Sportverbänden anzuheben hat der DOSB ein neues Projekt ins Rollen gebracht. Bundesweit sollen insgesamt 20 neue Stellen als sogenannte Sport-Inklusionsmanager/innen eingerichtet werden. Die Idee dahinter ist es, von den Erfahrungswerten dieser Menschen zu profitieren und damit sowohl in den einzelnen der 11 ausgewählten Teilprojekten die Inklusion fortzuentwickeln als auch aufzuzeigen, dass Menschen mit Behinderungen durchaus in der Lage sind, in den unterschiedlichsten Sportbranchen als „Experten in eigener Sache“ zu arbeiten.

Ansprechpartner Para