„Wir sind bereit, alles zu geben“ – DTU-Team auf dem Weg zur Poomsae-WM nach Korea



In knapp fünf Wochen beginnt die Poomsae-Weltmeisterschaft im südkoreanischen Chuncheon. Bis dahin bereitet sich das Team intensiv auf die fünf Wettkampftage vor. Bundestrainer Marcus Ketteniß erzählt uns im Interview vom vergangenen Lehrgang in Nürnberg und der Vorbereitung auf die WM.

Im September wird es ernst: Die deutsche Nationalmannschaft im Taekwondo Poomsae und Freestyle reist zur Weltmeisterschaft nach Korea – ins Mutterland des Taekwondo. Der Weg dorthin ist geprägt von intensiver Vorbereitung, klaren Zielsetzungen und einem starken Teamgeist. Beim dreitägigen WM-Lehrgang im Bundesstützpunkt Nürnberg wurde nun der nächste wichtige Schritt gemacht. 43 nominierte Athletinnen und Athleten arbeiten gemeinsam daran, Deutschland bei der Weltmeisterschaft bestmöglich zu vertreten.

Auch Vizepräsidentin Dr. Katrin Paschke ließ es sich nicht nehmen, die Mannschaft am Samstag persönlich im Bundesstützpunkt Nürnberg zu begrüßen und sich vor Ort ein Bild von der intensiven Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft zu machen. Ihr Besuch unterstrich zugleich die enge Verbundenheit des Präsidiums mit der Nationalmannschaft und die Bedeutung, die der Verband der Vorbereitung auf das Saisonhighlight in Korea beimisst.

Bundestrainer Marcus Ketteniß spricht über die Vorbereitung, neue Gesichter im Team, die Trainingsschwerpunkte und die besondere Dynamik innerhalb der Mannschaft.

Die Weltmeisterschaft findet im September in Korea statt. Wie läuft die Vorbereitung und welche Schwerpunkte wurden im Laufe des Jahres gesetzt?

Marcus Ketteniß: Die Vorbereitung läuft auf Hochtouren. Am vergangenen Wochenende hatten wir unseren ersten dreitägigen WM-Lehrgang im Bundesstützpunkt Nürnberg. Die Voraussetzungen dort sind für uns einfach perfekt. Wir sind immer wieder sehr gerne in Nürnberg und dankbar, dass wir unseren Stützpunkt nutzen können. 

An diesem Lehrgang haben ausschließlich nominierte WM-Teilnehmer teilgenommen. Zuvor fanden bereits sieben Bundeskaderlehrgänge im ersten Halbjahr statt, an denen alle Bundeskadersportler teilnehmen konnten. Viele unserer WM-Nominierten waren dort bereits regelmäßig dabei.

Die Schwerpunkte haben wir bereits zu Beginn des Jahres klar definiert. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Steigerung der Präsentation sowie die Einzeltechnikdynamik und die Kombinationsdynamik. Wir wollen technisch höchstes Niveau mit einer starken Präsentation verbinden. Dazu braucht es aber, neben dem Können, auch das notwendige Selbstbewusstsein. Genau diese Kombination soll unser Schlüssel zum Erfolg in Korea sein.

Es gibt einige neue Gesichter in der deutschen Nationalmannschaft Technik für die WM 2026. Wie haben sich die neuen Mitglieder in das Team integriert?

Marcus Ketteniß: Durch die Turnierergebnisse im Laufe des Jahres war bereits absehbar, dass sich unser Team um einige neue Mitglieder erweitern würde. Deshalb habe ich frühzeitig versucht, den Kontakt zu den entsprechenden Sportlerinnen und Sportlern aufzubauen.

Gerade im Kadettenbereich sind Athleten hinzugekommen, die bereits über unser Nachwuchsprojekt „Junge Talente Technik“ gefördert wurden. Das zeigt, dass unsere Nachwuchsarbeit Früchte trägt und wir junge Sportler gezielt an die Nationalmannschaft heranführen können.

Ich freue mich sehr über die neuen Mitglieder. Sie bringen unglaublich viel Motivation und eine sehr hohe Leistungsbereitschaft mit. Gemeinsam mit den vielen sehr erfahrenen Athleten ergibt sich eine starke Kombination. Das macht mir als Bundestrainer natürlich große Freude.

Aber Nationalmannschaft bedeutet nicht nur Training. Wir wollen auch als Mannschaft zusammenwachsen. Deshalb gab es am Wochenende neben den intensiven Trainingseinheiten auch verschiedene Teambuildingmaßnahmen, die von Steven Behn, Hilko Paschke und Damien Zaid angeleitet wurden.

Wir haben eine Mannschaft mit vielen starken und tollen Persönlichkeiten – und genau daraus entsteht unsere Stärke.

Wie war das Training am Wochenende strukturiert?

Marcus Ketteniß: Das Training erstreckte sich von Freitagabend bis Sonntagmittag und war sehr intensiv. Unser Konzept der vergangenen Jahre sieht vor, die verantwortlichen Landestrainer*innen der DTU-Landesverbände aktiv in das Training und die Betreuung der Nationalmannschaft einzubinden.

Für die TUBW war Nicole Ketteniß dabei, für die HTU Julius Müller. Nicole engagierte sich intensiv im Bereich Poomsae, während Julius für den Freestyle-Bereich verantwortlich war. Mit Sportwissenschaftler Damien Zaid, der insbesondere in den Bereichen Akrobatik und Tricking gefragt war, hatten wir einen weiteren Profi im Team. Dadurch konnten wir im Freestyle mit zwei Trainern sehr gezielt arbeiten.

Im Freestyle lag der Schwerpunkt darauf, die jeweiligen Pflichtelemente noch einmal detailliert zu analysieren. Über methodische Reihen haben wir gezielt an einzelnen Bewegungsteilen gearbeitet, um letztlich die Gesamtbewegungen zu optimieren.

Im Poomsae-Bereich waren die Einheiten jeweils in drei Elemente gegliedert. Zunächst gab es ein Frontaltraining mit ausgewählten Inhalten, die sich unter anderem aus den zahlreichen eingereichten Trainingsvideos ergeben hatten. Danach folgte ein freies Training mit dem Schwerpunkt auf der individuellen Analyse.

Zum Abschluss jeder Einheit standen dann Testwettkämpfe mit direkten Side-by-Side-Vergleichen und unmittelbarer Korrektur auf dem Programm.

Des weiteren haben wir erneut die Selbstgesprächsregulation, mit welcher die Sportler bereits seit längerer Zeit arbeiten, aktiv in die Trainingsarbeit integriert. Zudem haben die Athleten im Quotentraining an der Verlässlichkeit und der absoluten Konzentration auf das Gelingen von schwierigen Bewegungen gearbeitet.

Zusätzlich gab es jeden Morgen vor dem Frühstück ein Frühtraining. Hier ging es vor allem um Automatisierungsprozesse. Den Abschluss bildete schließlich am Sonntag ein intensives Formenausdauer-Intervalltraining. Sowohl für den Bereich Poomsae, als auch für den Bereich Freestyle.

Unser Ziel ist klar: Wir wollten nicht einfach viel trainieren, sondern jede Trainingseinheit maximal effektiv nutzen.

Wie können wir uns die Testwettkämpfe vorstellen?

Marcus Ketteniß: Im Einzel und auch im Paarlauf werden die Formenwettkämpfe im Single-Elimination-Side-by-Side-System ausgetragen. Das bedeutet, dass beide Kontrahenten gleichzeitig auf der Wettkampffläche stehen.

Hier spielt die Präsentation eine ganz entscheidende Rolle. Aber natürlich sind auch die technischen Abläufe von enormer Bedeutung. Denn gerade die exakte technische Ausführung ermöglicht letztlich die maximale Dynamik einer Bewegung.

In den Teamwettbewerben ist die Situation etwas anders. Dort treten die Teams im One-by-One-System nacheinander an. Deshalb lag unser Fokus hier zusätzlich auch sehr stark auf der technischen und zeitlichen Synchronität.

Solche Testwettkämpfe sind für uns enorm wichtig. Wir wollen den Wettkampf unter möglichst realistischen Bedingungen simulieren, Situationen analysieren und daraus lernen.

Am Ende zählt in Korea nicht, was wir im Training theoretisch können – sondern was wir auf der Wettkampffläche abrufen.

Was möchtest du der Mannschaft auf dem Weg nach Korea abschließend mitgeben?

Marcus Ketteniß: Mir ist bewusst, dass ich unseren Athlet*innen mit dieser Vorbereitung wieder ein sehr großes Pensum abverlange. Umso mehr erfüllt es mich mit großer Freude und Stolz zu sehen, dass der überragende Teil unserer Sportler*innen bereit ist, dieses Tempo mitzugehen.

Diese Bereitschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie zeigt, wie viel Herzblut, Disziplin und Leidenschaft in unserer Mannschaft steckt.

Für mich persönlich ist es eine große Ehre, diese Mannschaft als Bundestrainer anführen zu dürfen. Wir haben jetzt noch einen klaren Weg vor uns. Wir werden weiter hart arbeiten, wir werden weiter an den Details arbeiten und wir werden uns gegenseitig pushen. Unser Ziel ist es, in Korea nicht nur dabei zu sein. Wir wollen zeigen, was in dieser Mannschaft steckt.

Mein besonderer Dank geht an Dr. Katrin Paschke und Dr. Kathin Hertäg, die im Hintergrund eine immense Arbeit leisten und dafür sorgen, dass alle notwendigen organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen für unser Team geschaffen werden.

Und natürlich möchte ich mich auch bei Nicole Ketteniß, Julius Müller und Damien Zaid für ihre großartige Unterstützung und ihren Einsatz bei diesem Lehrgang bedanken.

Jetzt heißt es: gemeinsam weiterarbeiten, zusammenhalten und alles investieren. In knapp vier Wochen steht der nächste Lehrgang in der Sportschule Hennef auf dem Plan, bevor es Mitte September nach Korea geht!