Leistungssport als Beruf? Sergej Kolb über den Weg zum Sportsoldaten



Sein Hobby zum Beruf machen? Das geht - mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr! Sergej Kolb erzählt uns im Interview alles zum Thema Sportsoldat, den Voraussetzungen, dem Karriereweg und den finanziellen und sportlichen Vorteilen.

Hallo Sergej! Du bist Bundestrainer der Bundeswehr und heute hier, um uns alles rund ums Thema “Sportsoldat” zu erklären!

Was bedeutet es, Sportsoldat zu sein?

Als Sportsoldat ist man gleichzeitig Soldat und Leistungssportler. Dadurch hat man die Möglichkeit, seinen Sport auf professionellem Niveau auszuüben und sich intensiv auf Training und Wettkämpfe zu konzentrieren. Vereinfacht gesagt kann man sein Hobby zum Beruf machen und wird dabei von der Bundeswehr unterstützt.

Welche Voraussetzungen muss man haben?

Für die Laufbahn müssen sowohl schulische als auch sportliche Voraussetzungen erfüllt werden.

Schulische Voraussetzung:

Für die Bewerbung ist die Mittlere Reife oder ein abgeschlossene Berufsausbildung (für eine Unteroffizierslaufbahn) erforderlich.

Sportliche Voraussetzung: 

Es sollten mindestens zwei, besser drei G-Medaillen und der DM-Titel in Junioren U21/Senioren Klassen erkämpft werden. Außerdem ist die Zugehörigkeit der OK/PK/NK-Status erforderlich.

Auch die Trainingseinstellung, selbständige Turnierteilnahmen, Stärkung der Trainingsgruppen an den BSP usw. wird berücksichtigt. Junge Athleten/-innen müssen individuell betrachtet und besprochen werden. 

Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?

Der erste Schritt ist in der Regel ein Gespräch mit dem zuständigen Bundestrainer. Der Sportler führt frühzeitig ein Informationsgespräch mit dem zuständigen Bundestrainer.

Der Bundestrainer und Sportler informieren sich beim Bundeswehr-Trainer über das aktuelle Antragsverfahren. Nach dem Informationsaustausch stellt der Sportler einen Antrag mithilfe des Formulars der Bundeswehr.

Das Antragsformular wird nach eine Anfrage beim Bundeswehr-Trainer an den Sportler per E-Mail geschickt.

Ist man dann ein Leben lang Soldat?

Nein. Als Sportsoldat ist man nicht automatisch ein Leben lang Soldat. Zu Beginn erfolgt die Verpflichtung nur für 11 Monate.

Anschließend wird regelmäßig überprüft, ob eine weitere Förderung und Verlängerung möglich ist. Dabei spielen insbesondere die sportliche Entwicklung und die erzielten Erfolge eine wichtige Rolle. In jährlichen Personalplanungsgesprächen wird gemeinsam mit den Bundeswehr und dem Sportverband (DTU) über die weitere Verlängerung entschieden.

Wie ist der Job „Sportsoldat“ aufgebaut? Arbeitet man durchgehend für die Bundeswehr (beispielsweise 30h/Woche)?

Als Sportsoldat hat man selbstverständlich dienstliche Verpflichtungen. 

Der Dienst unterscheidet sich allerdings deutlich von vielen anderen Tätigkeiten innerhalb der Bundeswehr, da das professionelle Training einen wesentlichen Bestandteil des Dienstes darstellt.

Im Taekwondo findet das Training am Bundesstützpunkt in Nürnberg zweimal täglich für jeweils ungefähr zwei Stunden statt. Diese Trainingseinheiten gehören zum Dienst des Sportsoldaten.

Dazu gehören beispielsweise Physiotherapiebehandlungen, medizinische Untersuchungen und Arztbesuche.

Welche Vorteile habe ich als Sportsoldat?

Ein großer Vorteil besteht darin, dass man seinen Sport auf professioneller Basis ausüben und sich intensiv auf seine sportliche Karriere konzentrieren kann. 

Dadurch schafft die Sportfördergruppe der Bundeswehr gute Rahmenbedingungen, um Training, Wettkämpfe und Regeneration miteinander zu verbinden und sich bestmöglich auf den Leistungssport zu konzentrieren.

Gleichzeitig erhält man ein regelmäßiges Einkommen.

Wie viel verdient man als Sportsoldat?

Das Einstiegsgehalt beträgt ungefähr 2.000 Euro. 

Die genaue Höhe kann jedoch je nach Dienstgrad, persönlicher Situation und aktuellen Besoldungsregelungen unterschiedlich ausfallen.

Was sollte man beachten, bevor man sich als Sportsoldat bewirbt?

Wer sich als Sportsoldat bewerben möchte, sollte bereits auf einem sehr hohen sportlichen Niveau aktiv sein. Idealerweise war man bereits Mitglied einer Jugendnationalmannschaft oder Nationalmannschaft und kann entsprechende sportliche Erfolge nachweisen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Wohnort: Alle Sportsoldaten sind in Nürnberg zentralisiert und trainieren am Bundesstützpunkt Nürnberg. Das bedeutet, dass man bereit sein muss, seinen Wohnsitz nach Nürnberg zu verlegen und dort zu leben, um das Training und den Dienst als Sportsoldat wahrnehmen zu können.

Außerdem sollte die schulische Ausbildung abgeschlossen sein. Zum Zeitpunkt des Einstiegs sollte man sich nicht mehr in einer schulischen oder betrieblichen Ausbildung befinden.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Im Rahmen der Laufbahn werden mehrere militärische und fachliche Lehrgänge absolviert. Dazu gehören unter anderem:

* die Grundausbildung,

* ein Übungsleiterlehrgang,

* der Feldwebelanwärterlehrgang,

* der Feldwebellehrgang sowie

* ein Trainerlehrgang BW.

Zu Beginn steht die Grundausbildung, die ungefähr vier Wochen dauert. Die weiteren militärischen Lehrgänge dauern in der Regel jeweils etwa vier bis sechs Wochen.

Die Lehrgänge werden nicht alle direkt hintereinander absolviert, sondern verteilen sich über die Laufbahn.

Danke, Sergej! Kannst du uns ein abschließendes persönliches Fazit zum Thema Bundeswehr geben?

Ich kann diesen Weg besonders denjenigen empfehlen, die ihren Sport auf professionellem Niveau betreiben möchten. Die Sportfördergruppe der Bundeswehr bietet die Möglichkeit, sich intensiv auf den Leistungssport zu konzentrieren und gleichzeitig ein regelmäßiges Einkommen zu erhalten.

Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Nach entsprechender Zeit bei der Bundeswehr kann beispielsweise zusätzlich eine Ausbildung absolviert werden. Damit bietet die Laufbahn nicht nur Unterstützung für die aktuelle sportliche Karriere, sondern auch Perspektiven für die Zukunft.

Danke für das Interview!

Weitere Infos findet ihr hier: 

Bundeswehr