„Wir sind fit. Wir sind ready“ 



In genau einer Woche startet in Manchester die Europameisterschaft der Zweikämpfer. Vom 19. – 22. Mai kämpfen in der Manchester Regional Area auf dem Etihad Campus in Manchester Europas Top-Elite um Medaillen. Anlässlich dieses Saisonhöhepunktes lud Medienreferentin Helena Stanek die regionale Presse zur Pressekonferenz in den Bundesstützpunkt ein. 

Das deutsche Nationalteam hat in den letzten zwei Wochen noch einmal intensive Trainingseinheiten am Bundesstützpunkt Nürnberg absolviert, um bei diesem Saisonhöhepunkt top fit zu sein. 12 Trainingseinheiten pro Woche zeigen Früchte. Schnell, Dynamisch, Explosiv, Kraftvoll – so präsentierten sich die Damen und Herren während ihrer letzten Vorbereitungsphase auf die EM. 

„Wie einige sicher wissen, habe ich selbst einmal viele Stunden an den Pratzen und an der Weste trainiert. Daher denke ich, dass ich es ganz gut einschätzen kann, was die Damen und Herren da aktuell leisten. Ich bin total erfreut, wie fit dieses Team sich in Nürnberg präsentiert hat. Das positive Feeling im Training hat mich sehr begeistert.“ Helena Stanek

Dieses fitte Gefühl kann auch die EM-Medaillengewinnerin Ela Aydin bestätigen. Sie selbst sagt, dass nach drei gewonnen Vize-EM-Titeln nun Gold ihr Ziel sei. Auf die Frage, was sich verändert habe, um dieses Gold nun zu holen sagt uns Ela: „Durch meinen Umzug nach Nürnberg habe ich mich quasi seit Februar schon intensiv mit meinem Bundestrainer auf die EM vorbereitet. So eine intensive Vorbereitung auf ein so großes Event hatte ich bislang noch nie. Darum stimmt mich das positiv, dass es dieses mal klappt.“ 

Russland fehlt - doch die Konkurrenz bleibt hoch

Man könnte meinen, dass durch das Fehlen der Top-Nation Russland diese EM als „leichteste EM aller Zeiten betitelt werden könnte. Hier gibt Sportdirektor Holger Wunderlich deutlich zum Ausdruck, dass es im Prinzip durch das Fehlen des russischen Teams in den meisten Gewichtsklassen nur ein Athlet/eine Athletin weniger sei (die russischen Direktqualifikanten des President´s Cup wurden mit den nächstplatzierten Sportler/-innen ersetzt und von Weißrussland fehlen nur einzelne Athleten/-innen)  und Europa bei den vergangenen Olympischen Spielen ihre Dominanz gezeigt habe. „Mit dem Gastgeber aus Großbritannien werden wir es mit deren Heimvorteil mit einem sehr starken Team zu tun haben. Kroatien mit einer sehr starken Mannschaft (angeführt von der Olympiasiegerin -67Kg) und die Türkei mit einem 20-köpfigen Team sind ebenfalls sehr starke Konkurrenten. Darum glaube ich nicht, dass es eine leichte Europameisterschaft wird. Im Gegenteil. Ich denke sogar sportfachlich betrachtet, wird es eine sehr schwere und stark besetzte Europameisterschaft.

Herren Bundestrainer Marco Scheiterbauer sieht das Fehlen von zwei Olympiasiegern bei den Herren zwar schon als kleine Wettbewerbsverzerrung, gibt aber auch deutlich zum Ausdruck, dass in allen Gewichtsklassen noch genug andere Konkurrenten aus Top-Nationen warten werden. 

Damenbundestrainer Balazs Toth sieht die Situation rund um den Ausschluss von russischen Team sehr rational. „Es ist nicht unsere Entscheidung gewesen, darum lohnt es sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Wir nehmen diese Situation so an, wie sie ist und konzentrieren uns auf aus.“ 

Imran Özkaya, mit Eduard Drewlau (-74Kg) erfolgreichster Herren Athlet in dieser Saison, ist genau für diese starke Konkurrenz aus Spanien und der Türkei bereit: „Wir haben fleißig trainiert. Wir sind fit. Wir sind ready.“ 

Verletzung erfolgreich überstanden

Nicht für alle anwesenden auf dieser Pressekonferenz verlief die Vorbereitung auf diese EM so reibungslos. Eine unglückliche Verletzung am Knie stoppte die begonnene Medaillenjagd von Lorena Brandl abrupt. Drei Monate lang stand nicht, wie erwartet, der Gewinn von Medaillen auf dem Programm, sondern ein individuelles Reha Training mit Physio und Stützpunkttrainer Bernhard Bruckbauer. „Das Reha-Training lief super. Und ich bin froh, jetzt auch wieder richtig im Training zu stehen, sodass die Vorbereitung auf die EM sehr gut lief und aktuell noch intensiv läuft.“

Auf die Frage, mit welchen Erwartungen sie nun nach dieser andersverlaufenden Vorbereitung zur EM fährt, sagt die großgewachsene Sportsoldatin: „Wenn ich lange kein Turnier hatte, brenne ich immer total auf einen Wettkampf. Ich freue mich, dass ich endlich wieder kämpfen kann und natürlich kämpfe ich für eine Medaille.“ 

Eine Medaille, die Gewann zuletzt auch Jordanis Konstantinidis in Manchester. Das war bei der WM 2019, die uns sicherlich allen noch gut in Erinnerung bleibt. Spektakulär erzielte Jordanis im entscheidenden Kampf in 1,7 Sekunden noch 4 Punkte und besiegte seinen Gegner in der sprichwörtlich „allerletzten Sekunde“. „Ich freue mich sehr, nun wieder nach Manchester zu fahren. Mir hat es dort 2019 sehr viel Spaß gemacht. Da habe ich sehr gute Erinnerungen. Ich bin total motiviert und hoffe auch dieses Mal in Manchester eine Medaille zu holen.“ 

Es steht fest: Iryna und Vladyslav dürfen zur EM

Eine für uns alle unvorstellbare und schwer nachvollziehbare Situation müssen aktuell unsere Gäste aus der Ukraine erleben. Nicht nur der Umstand, dass in ihrer Heimat immer noch ein verbitterter Krieg herrscht, haben sie erst am gestrigen Tag der Pressekonferenz erfahren, dass ihr Visum nach England genehmigt wurde. Ohne dieses Visum wäre auch eine Teilnahme bei der Europameisterschaft unmöglich gewesen. 

Die Europameisterin von 2016, Iryna Romoldanova, war nach Kriegsbeginn aus Kiev direkt nach Deutschland geflohen, um sich in Nürnberg explizit auf die EM vorzubereiten. „Ich bin sehr sehr dankbar, hier in Deutschland trainieren zu können. Ich danke der Deutschen Taekwondo Union von ganzem Herzen.“ Das Iryna eine Konkurrentin von unserer Nürnbergerin Anya Kisskalt in der Gewichtsklasse -49Kg ist, hat die Vorbereitung laut Bundestrainer Balazs Toth in keinster Weise beeinflusst. Im Gegenteil. Durch ihr hohes Maß an Motivation habe sie das Team stehts mitgezogen und auch zusätzlich motiviert. „Iryna gibt immer 110% Prozent im Training. Wenn sie mal nicht so gut drauf ist, sind es immer noch 100%. Daher war sie stets eine Bereicherung für unser Training.“ Sagte Damen Bundestrainer Balazs Toth über den Gast aus der Ukraine. 

Vladylsav Bondar, U21 Europameister 2017, zeigte während der Pressekonferenz, wie tief der Zwiespalt zwischen „Gedanken an die Familie in der Heimat und die Vorbereitung auf die EM“ in den Sportlern sitzt. Er befand sich bei Kriegsausbruch noch beim G2 Weltranglistenturnier „Presidents Cup“ in Albanien und konnte dementsprechend nicht mehr zurück in seine Heimat. In Eigeninitiative reiste er und 5 weitere Sportler sowie eine Kampfrichterin nach Nürnberg. „Ich bin froh, dass ich hier sitze. Wäre ich bei Kriegsausbruch noch in der Ukraine gewesen, wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Meine Wohnung ist komplett zerbombt worden.“ 

Bewegende Momente, die der kräftige Ukrainer, der in der Gewichtsklasse -87Kg antritt, aus seinen privaten Gefühlen preisgibt. 

Nun steht es also fest, dass auch Iryna und Vladyslav zur EM reisen können. Die, wie wir noch anhand der Erinnerung an die WM 2019 in Manchester erahnen können, sicherlich ein perfekt organisiertes hochklassiges Event werden wird. 

Wir drücken unserem Team ganz fest die Daumen, dass sich alle für ihre harte Arbeit in den vergangenen Monaten belohnen werden. 

Ob die persönliche Vorgabe von Sportdirektor Holger Wunderlich mit drei Medaillen erreicht werden kann, werden sie ab dem 19. Mai auf unseren Medienkanälen verfolgen können. 

 

Zu Besuch war in den letzten Tagen auch der Bayrische Rundfunk.

Die Beiträge können Sie hier noch einmal anschauen:

1. Vor dem Krieg geflohen - Ukrainische Taekwondo-Kämpfer in Nürnberg

Rundschau 12. Mai

2. Knallharte Konkurrentinnen trainieren zusammen für die EM

Rundschau 11. Mai

3. Ela Aydin träumt von EM-Titel

Rundschau 5. Mai

 

Alle Infos zur EM finden Sie auf unserer Event-Seite

EM 2022