Tokio202One – Der Countdown läuft: noch 233 Tage bis Alexander Bachmann olympisches Gold gewinnen kann

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Heute vor einem Jahr schaffte Alexander Bachmann die direkte Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Tokio in der Gewichtsklasse +80Kg. Mit einer guten Leistung beim Grand Prix Finale in Moskau sicherte er der Deutschen Taekwondo Union das bislang einzige Olympia-Ticket.

Gut ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio sprachen wir mit dem Stuttgarter über die Corona-Krise, seinen aktuellen Trainingsstand und den zu erwartenden Bedingungen in Tokio.

 

DTU20: Wie hast du die Zeit nach der direkten Qualifikation erlebt?

Alex: Nach meinem Erfolg in Moskau, habe ich erstmal ein paar Wochen gebraucht, um zu realisieren, dass es alles so geklappt hat, wie wir uns erhofft haben. Rückblickend war es ein extrem anstrengendes Jahr 2019. Als ich dann die Quali in Moskau tatsächlich geschafft hatte, ist mir natürlich ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Ich war sehr stolz und glücklich es geschafft zu haben. Danach konnte ich erstmal entspannen.

DTU20: Wie wichtig war es für dich, die direkte Qualifikation zu schaffen?

Alex: Die Qualifikation über die Weltrangliste zu schaffen ist was ganz Besonderes. Kritische Stimmen im Vorfeld, das kein Deutscher das Ticket über die Weltrangliste holen wird, haben mich noch mehr motiviert, es zu schaffen. Darum bin ich sehr stolz, dass wir es als Team geschafft haben. Die Erinnerungen an diesen beschwerlichen Weg stärken mich auch heute, weiter an meinem großen Ziel zu arbeiten und geben mir positive Gedanken, dass ich alles schaffen kann. 

DTU20: Was hat sich durch die Verschiebung der Spiele für dich verändert?

Alex: Ich hatte schon vor der offiziellen Bekanntgabe durch den IOC mit einer Verschiebung gerechnet. Das es dann so gekommen ist, war für mich keine große Überraschung. Darum habe ich die Situation auch schnell so angenommen. Zum Wohle der Gesundheit der Sportler, war es zu dem damaligen Zeitpunkt die einzig richtige Entscheidung. Eigentlich hat sich für mich auch nicht viel verändert. Ich habe für mich das Beste aus der Verschiebung gemacht und hatte bzw. habe dadurch ehrlich gesagt noch mehr Zeit mich bestmöglich auf Tokio vorzubereiten.

DTU20: Konntest du auch Vorteile aus der Verschiebung gewinnen?

Alex: Durch die Verschiebung der Spiele habe ich mehr Zeit bekommen, überhaupt zu realisieren, dass ich mich qualifiziert habe und in Tokio starten werde. Ich konnte mich mental nun viel länger und intensiver damit beschäftigen. Das ist sicherlich ein Vorteil. Ich fühle mich nun mehr bereit, bei den Spielen zu kämpfen, um mir meinen Traum von einer Goldmedaille zu verwirklichen. 

DTU20: Hat deine Motivation in den letzten Wochen durch diese Corona-Krise gelitten? Hilf dir ein bestimmtes Motto in solchen Zeiten?

Alex: Ich habe kein bestimmtes Motto. Und meine Motivation geht auch ehrlich gesagt zurzeit nie verloren. Denn ich habe mein großes Ziel ja weiterhin vor Augen und noch nicht erreicht. Meine überstandene Hüftoperation hat mir zusätzliche Kraft und Motivation gegeben, noch stärker auf die Fläche zurückzukommen. Denn ich will das schaffen, was in Deutschland noch niemand erreicht hat. Olympiasieger werden.

DTU20: Unter „normalen“ Bedingungen wäre Olympia schon vorbei. Was überwiegt? Die Vorfreude auf die Spiele oder der Gedanke auf die Zeit danach?

Alex: Kürzlich habe ich noch mit meiner Frau darüber gesprochen, dass unter normalen Bedingungen Olympia nun schon wieder vorbei wäre. Es würde schon feststehen, was aus mir geworden wäre. Ob ich im ersten Kampf verloren hätte oder vielleicht als Olympiasieger nach Hause gekommen wäre. Das wäre alles schon entschieden und würde in gewisser Weise auch Erleichterung bringen. Aber aktuell freue ich mich mehr darüber, Olympia noch vor mir zu haben und erleben zu dürfen, als der Gedanke über die Zeit danach. Es ist ein Traum bei Olympischen Spielen dabei sein zu können, darum freue ich mich auf all das, was noch auf mich zukommen wird. 

DTU20: Ein Jahr nach der Quali, gut ein halbes Jahr vor den Spielen. Wie ist dein aktueller Trainingsstand?

Alex: Aktuell bin ich in der Reha-Phase. Ich muss noch für ein paar wenige Tage mit Krücken laufen und meine Hüftoperation auskurieren. Dank der hervorragenden Arbeit meiner Ärzte Dr. Miehlke und Dr. Zimmermann läuft alles nach Plan. Es war nur ein kleiner Eingriff, aber ich muss hier dennoch langsam und Schritt für Schritt den Aufbau gestalten. Wenn der abgeschlossen ist kann ich bald den nächsten Abschnitt in der Vorbereitung für Tokio starten. 

DTU20: Hat sich an deiner Zielsetzung für die Spiele etwas geändert?

Alex: Mein Ziel ist weiterhin die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Ich möchte das schaffen, was vor mir noch keiner geschafft hat. Ich denke, bei der WM 2017 hat auch niemand damit gerechnet, dass ich Weltmeister werde. Von daher, kann alles passieren. Ich möchte hier ein Ausrufzeichen setzen und dadurch auch auf unsere Sportart aufmerksam machen.

DTU20: Würde aus deiner Sicht eine Goldmedaille Taekwondo-Deutschland verändern?

Alex: Ob die Goldmedaille in Deutschland viel verändern wird, weiß ich nicht. Wir wären aber auf jeden Fall präsenter und könnten auch den Medien einen historischen Erfolg bieten. Vielleicht würden diese dann auch mal häufiger über uns und unsere Sportart berichten. Es wäre schön, wenn wir durch diesen Erfolg Sportler in Deutschland animieren können, Taekwondo zu betreiben. Wenn ich bzw. mein Erfolg Kinder zum Taekwondo machen bewegt, nehme ich diese Vorbildfunktion gerne an. Ich denke, es ist wichtig, dass Kinder Vorbilder haben. Bei mir könnten sie sehen, dass man mit Willen, Disziplin und Fleiß seine Ziele erreichen kann.

DTU20: Was würde sich für dich persönlich verändern?

Alex: Für mich ginge dann absolut ein Traum in Erfüllung. Das ist das, wofür ich meine ganze Karriere trainiert habe. Aber zu viel will ich über das später noch gar nicht nachdenken. Wir leben im hier und jetzt und gerade in diesen Monaten sieht man, wie schnell sich Dinge verändern können.

DTU20: Es werden in jedem Fall geschichtsträchtige Spiele, da die Pandemie sicherlich für besondere Rahmenbedingungen sorgen wird. Was erhoffst du dir von den Spielen und den Organisatoren?

Alex: Im Vordergrund sollte auf jeden Fall die Gesundheit aller Sportler stehen. Es muss so ablaufen, das alle Sportler und Funktionäre Japan gesund wieder verlassen können. Ich wünsche mir einen reibungslosen Ablauf der Spiele in Tokio. Wir haben noch gar keine Info, wie das alles ablaufen wird. Ob man z.B. im Olympischen Dorf frei rumlaufen darf oder welche Einschränkungen es gibt. Aktuell sieht es ja zumindest gut aus, dass die Spiele überhaupt stattfinden können und ich habe gehört, es sollen sogar Zuschauer zugelassen werden. Organisatorisch sind die Japaner sicherlich vorbildlich und ich habe schon oft erlebt, wie in Asien Wettkämpfe perfekt organisiert sind. Aber in Zeiten von Corona ist solch ein Event für alle eine absolute Herausforderung. Dennoch bleiben Olympische Spiele Olympische Spiele und darum wächst trotz möglicher Einschränkungen die Vorfreude auf dieses Event immer mehr. 

DTU20: Vor dem Grand Prix in Japan konnten ihr 2019 schon einmal das Land und die Leute kennen lernen. Mit der Stadt Toyohashi besteht weiterhin ein enger Austausch. Zählst du auf die japanische Unterstützung? 

Alex: Die Zeit in Toyohasi damals war für uns als Team sehr wichtig. Wir haben nicht nur eine Partnerstadt gefunden, sondern auch freundschaftliche Kontakte geknüpft. Es war unglaublich was die Stadt hier für uns auf die Beine gestellt hat. Nicht nur die Trainingsbedingungen, sondern auch die Anerkennung vor Ort waren beispielhaft. Natürlich zähle ich in Tokio auch auf die Unterstützung von Toyohashi und ich würde mich freuen, vor den Spielen noch mal in Toyohashi zu trainieren. Auch wenn ich natürlich auf der Fläche letztendlich allein kämpfen muss und meine Leistung abrufen muss, ist es sehr wertvoll, wenn Fans auf der ganzen Welt mitfiebern und mich unterstützen. 

DTU20: Was wäre für dich ein perfekter Jahresabschluss 2021?

Alex: Mit einer Goldmedaille und meiner Familie gesund am Strand zu liegen und von einem anstrengenden Sportjahr erholen, das wäre für mich perfekt.

 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Alex für das angenehme Interview und wünschen für den weiteren Weg nach Tokio viel Gesundheit! 

 


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