Stephanie Dumrath ist neue Referentin für Frauen und Gleichstellung

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Referentin für Frauen und Gleichstellung: Was steckt hinter dieser Job-Bezeichnung? Bzw. was werden deine zukünftigen Aufgaben in der DTU sein?

Meine erste Amtshandlung war die Beteiligung im Namen der DTU an einem DOSB
Projekt namens „One Billion Rising“. Die Aktion, die am 14.Februar stattfindet, ist ein Aufstehen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen. Da ich jedwede Form der Gewalt ablehne war ich sofort bereit die DTU in einem DOSB Video zu repräsentieren.
Solche und noch andere Projekte werde ich gerne als Frauenbeauftragte unterstützen.
Die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden aber auch mit den einzelnen Sportlern und Trainern ist mir dabei wichtig.

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Wie kam es dazu, dass du zukünftig diese Funktion in der DTU übernimmst?

Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem DTU-Präsidium im letzten Jahr, wurde ich gefragt ob ich mir vorstellen könnte ein solches Amt zu bekleiden. Die Wichtigkeit, dass dieses Amt besetzt ist, steht außer Frage. Ich habe zugesagt und bin dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen.

Gleichstellung von Frauen ist ein Menschenrecht. Wie siehst du persönlich die Geschlechterverteilung innerhalb Deutschlands/der DTU?

Die Entwicklung der Geschlechterverteilung unter den Sportlern sehe ich sehr positiv. Es gibt viele Mädchen und Frauen die Taekwondo betreiben. In den Funktionärsämtern und Trainerposten sind hingegen hauptsächlich männliche Kollegen zugegen. In der Sportpolitischen Diskussion wird dieses Missverhältnis als problematisch charakterisiert. Studien belegen, dass man weiblichen Trainern eher die Fähigkeit abspricht, kompetent zu sein als Männern. Ebenfalls belegt ist, dass sich diese Voreingenommenheit während einer gemeinsamen Zusammenarbeit ändert. Frauen und Männer haben verschiedene Denkweisen. Umso besser, wenn sie sich gegenseitig ergänzen können.

Geschlechtergleichheit soll bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris erreicht werden. In Tokio werden es knapp 50% weibliche Athletinnen sein (48,8% laut IOC). Hältst du es für wichtig, dass im Sport ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Athleten gibt?

Es wird immer wieder Sportarten geben, die eher männliche oder weibliche Athleten ansprechen. Die Chancengleichheit und Anerkennung sollten dabei im Vordergrund stehen. Ich denke jeder Sportler, egal ob männlich oder weiblich, hat sich den Startplatz hart erkämpfen müssen und verdient dort zu stehen.

Frauen kommen häufig aufgrund der familiären Situation an einen Punkt, wo entschieden werden muss: Familie oder „Karriere“. Erst kürzlich mussten wir unsere bislang einzige Bundestrainerin Yeonji Kim, aufgrund der persönlicher Situation, vom Trainerstab verabschieden. Was kann man tun, damit auch mehr Trainerinnen auf Bundestrainerebene aktiv sind?

Die Türen öffnen!

Auf Frauen zugehen und ggf. Rahmenbedingungen anpassen. Die Wichtigkeit der Präsenz von männlichen und weiblichen Trainerinnen im Sport ist in zahlreichen Studien erwiesen.
Im deutschen Spitzensport sind von den angestellten Trainern nur rund 13% weiblich. In Kampfsportarten noch weniger. Der DOSB fordert seit Jahren eine Verbesserung dieser Situation und hat mit seinem „Score“ Programm den Spitzenverbänden einen Leitfaden an die Hand gegeben. In diesem Leitfaden werden die gesellschaftlichen Hürden, die eine Frau nehmen muss, aufgezeigt und wie man als Verband Türen öffnen kann, um Frauen zu gewinnen, ohne dabei auf nötige Qualifikation zu verzichten. Da ich selbst Referentin im Lehrwesen bin, sehe ich immer wieder einige interessierte junge Frauen, die sehr ambitioniert und voller Motivation ihre Lizenz erwerben.
Das Problem kommt spätestens dann, sobald eine eigene Familie gegründet wird. Frauen stellen, von Natur aus, ihre eigenen Bedürfnisse hinter die der Familie.

Der Job als Trainerin wird erstmal auf „Eis“ gelegt. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Mit dem ersten Kind kam die Stundenreduzierung, mit dem zweiten wurde nicht mehr auf Turniere gefahren und mit dem Dritten habe ich meinen eigenen Verein komplett abgegeben und nur noch in meinem Heimatverein Stunden gegeben. So ergeht es vielen weiblichen Trainerinnen, die in die Mutterrolle schlüpfen. Aktiv werden und Anreize setzen!

In großen Firmen wird häufig mit „familienfreundliches Unternehmen“ geworben. Siehst du die DTU als familienfreundliches Unternehmen?

Die DTU als Arbeitgeber hat der ehemaligen Damenbundestrainerin Yeonji zeitweise ermöglicht, dass beispielsweise ihr Sohn sie zu Maßnahmen begleiten konnte. Dass sehe ich sehr positiv. Auch eine Teilung der Präsenzzeit von meiner Kollegin Denise und mir wurde bei einer einwöchigen Maßnahme genehmigt, um die volle Betreuung durch eine weibliche Trainerin bei dieser Jugendmaßnahme zu gewährleisten. Es wäre mir nicht Möglich gewesen eine ganze Woche zu Hause zu fehlen, da ich selbst Mutter von drei Töchtern bin.

Dessen Ungeachtet bleibt das Tätigkeitsfeld Sport immer eine Wochenend- und Abendbeschäftigung, die viel von einem Familienleben abverlangt. Das kann die DTU sowie jeder Spitzenverband nicht ändern.

Unter männlichen Sportlern hört man oft: „Ach Mädels haben es auf der Fläche doch eh leichter“. Was hältst du von solchen Aussagen?

In meiner Tätigkeit als Disziplin-Bundestrainerin konnte ich dieses Vorurteil nicht bestätigen. Jungs wie Mädchen haben sich gegenseitig wertgeschätzt und respektiert. Die Jungs haben manchmal ganz schön Augen gemacht wie hart manche Mädchen für ihren Erfolg trainieren, wieviel sie einstecken, ohne mit der Wimper zu zucken und vor allem wie hart sie austeilen können. Gegenseitiger Respekt und Anerkennung sollte keine Geschlechterfrage sein.

 

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