Siegermentalität kultivieren und fördern – das neue Leistungssportkonzept Zweikampf



Seit Jannis Dakos am 3. Oktober zum neuen Vize-Präsidenten Zweikampf gewählt wurde, standen sehr viele Gespräche und Termine auf dem Terminkalender des in Köln lebenden Sportkoordinators. Seine Ideen, die er auf der Mitgliederversammlung in München präsentierte gilt es nun Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Wir haben mit Jannis über die Eckpfeiler seines neuen Leistungssportkonzeptes gesprochen.

HINWEIS: Aufgrund eines redaktionellen Fehlers in der letzten Magazin-Ausgabe, wird das Interview von Vize-Präsident Zweikampf Jannis Dakos hier auf unserer Homepage veröffentlicht. In der Print-Version war leider ein erster Entwurf des Interviews verwendet worden. Wir bitten dies zu entschuldigen. 

 

Trainerpersonal

Die Verschiebung der Olympischen Spiele, stellt alle Sportler, Trainer und natürlich uns als Verband auf die Probe. In solchen Zeiten müssen wir zielorientiert bleiben, praktisch denken und zweckdienliche Lösungen finden.

Wir haben zwar die besondere Situation eines nicht vollendeten olympischen Zyklus, mussten aber schon gewisse personelle Anpassungen vornehmen. Im Damenbereich hatte die zuständige Bundestrainerin Yeonji Kim angekündigt, dass sie aus persönlichen Gründen ihr Amt über den Jahreswechsel nicht mehr fortführen kann.

Mit Boris Winkler als Interimscoach für die Damen im Jahr 2021, haben wir eine sehr gute personelle Entscheidung getroffen und wissen die Betreuung des Damenkaders in guten Händen.

Vanja Babic übernimmt ab den 01.01.2021 die Betreuung des Herrenkaders, bis zu den olympischen Spielen in Paris 2024.

Organisatorische und administrative Unterstützung werden beide von Chef-Bundestrainer Georg Streif bekommen, der aufgrund seiner olympischen Erfahrung bestens in der Lage ist, in wichtigen Bereichen die Koordination und Umsetzung von relevanten Trainingsmaßnahmen, vor allem in Richtung Tokio 2021 zu gewährleisten.

Im Nachwuchsleistungssport werden wir den Weg mit Marco Scheiterbauer als Nachwuchsbundestrainer fortsetzten. Die Einbeziehung der Heimtrainer wird hier eine sehr wichtige Rolle spielen, da wir eine breite Nachwuchsbasis brauchen, um langfristig international Konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Assistenz-Bundestrainer werden selektiv und bedarfsorientiert eingesetzt, mit einer festen Zielgruppenzuordnung. Diese Konstanz wird die Betreuungsqualität in den Gruppen steigern.

In den nächsten Monaten, wollen wir uns als Team gemeinsam den Herausforderungen in diesen schwierigen Zeiten stellen und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

Nominierungssystematik

Bei der neuen Nominierungssystematik soll Transparenz an oberster Stelle stehen.

Jeder Sportler soll es selbst in der Hand haben, ob er für ein Zielturnier nominiert wird oder nicht.

Die internationale Konkurrenzfähigkeit muss weiterhin unter Beweis gestellt werden, deswegen halten wir an dem bestehenden Credit-System fest. Voraussetzung für eine Nominierung ist das Erreichen einer gewissen Credit-Anzahl. Haben allerdings mehrere Sportler diese erreicht, führen wir ab sofort Ausscheidungskämpfe ein.

Diese Ausscheidungskämpfe werden ca. 10-12 Wochen vor dem Zielturnier stattfinden. Dies ist sicherlich neu. Ich will, dass jeder Sportler die Gewissheit hat, dass er aufgrund seiner eigenen Leistung und seines eigenen Könnens nominiert wird. Das stärkt die Motivation der Sportler und ihrer Heimtrainer und nimmt ebenfalls die verantwortlichen Bundestrainer aus der Schusslinie. Wir haben häufig die Situation, dass ein Bundestrainer zwischen zwei sehr starken Sportlern/innen wählen muss. Es ist menschlich, dass die nicht nominierte Person sich dann unrecht behandelt fühlt und das Vertrauensverhältnis zum BT leider darunter leiden muss. Das dürfen wir nicht zulassen. In Zukunft heißt es „wenn du der/die beste in deiner Klasse bist, dann stellt dich und beweise es unter Druck, beim Ausscheidungskampf“.

Die beste Leistung abzurufen wenn es drauf ankommt, ist auch trainierbar und ein Erfolgsmerkmal der Champions. Wir brauchen jetzt ein System, das diese Siegermentalität und mentale Stärke fördert und kultiviert. Von Kadett bis zum Olympiakandidaten.

Körperlich Fit und gesund beim Zieltuner oder Nominierungskampf anzutreten ist kein Zufall. Es hat viel mit Vorbereitung, Einstellung und Professionalität zu tun. Diese Verhaltensweise müssen unsere Sportler verinnerlichen und selbst Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig gilt aber auch immer folgende Wahrheit:

„Ein Champion setzt sich auch dann durch, wenn er einen schlechten Tag erwischt, da sein mentaler Kompass immer auf Sieg und nie auf Ausrede zeigt“.

Lehrgangssystematik

„Damit die Bundeskaderlehrgänge effektiver gestaltet werden können, wollen wir zukünftig die Heimtrainer in die Kaderlehrgänge selektiert mit einbeziehen. Bei unserem Sportsystem, findet ausgenommen der Sportsoldaten mindestens 90% des Trainings im Verein statt. Somit spielt der Heimtrainer für den Erfolg der Sportler und somit der DTU eine große Rolle. Bei Sparringseinheiten z.B. sollen die Heimtrainer so wichtige Erkenntnisse für das weitere Training im Verein bekommen. Technisch taktische Fehler können so besser erkannt werden. In Absprache mit dem zuständigen Bundestrainer können anschließend spezifische Trainingsempfehlungen besprochen und das Training individuell angepasst werden.

Coachingsystematik

Auch beim Thema Coachen sehe ich noch Potential. Eine Möglichkeit ist es, die Heimtrainer stärker mit einzubeziehen.

Wir haben viele hochqualifizierte Heimtrainer in Deutschland, die nachweislich über Jahre internationale Erfolge vorzuweisen haben. Diese möchte ich zukünftig unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien und stets in Absprache mit den verantwortlichen Bundestrainern auch bei Zielturnieren als Coach einsetzen.

Der Heimtrainer kennt seinen Sportler i.d.R. am besten, weiß wie er ihn motivieren und fokussieren kann und wie er mit ihm in den unterschiedlichen Situationen aufgrund zahlreicher gemeinsamer Erfahrungen und Referenzerlebnisse umgehen muss. Dieses Potential in der Betreuungsqualität müssen wir in unserem Konzept berücksichtigen, denn das richtige Wort, in dem entscheidenden Moment, den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben kann.

Wir erarbeiten gerade einen Leistungskatalog, die ein Heimtrainer für einen Einsatz bei einem Zielturnier erfüllen muss.

Arbeitskreis Leistungssport

„Mit dem Arbeitskreis Leistungssport möchte ich die Leistungssportverantwortlichen der Landesverbände und der DTU zweimal im Jahr zusammen holen. Die Intention dahinter ist, dass wir eine Plattform schaffen, wo Ideen und Konzepte ausgetauscht und konstruktive Kritik geübt werden kann. Dies ermöglicht uns, das Leistungssportkonzept stets weiterzuentwickeln und zu optimieren. Auch die Landesverbände können so voneinander lernen und ihre Strukturen verbessern.

Aufgrund unterschiedlicher finanzieller und organisatorischer Voraussetzungen, funktioniert in Deutschland nicht für jeden Landesverband dasselbe Leistungssportkonzept. Jeder Landesverband hat bereits eigene Systeme etabliert, die wir nicht von Grund auf neugestalten möchten. Jeder kann und sollte aber von Jedem etwas lernen.

Durch diesen regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit allen Verantwortlichen können wir es schaffen, die besten Ideen der Landesverbände für uns zu nutzen und die DTU weiter nach vorne zu bringen.

Unterstützung

„Die Umsetzung dieses Konzepts schaffe ich jedoch nicht alleine.

Neue Ansätze erfordern, dass Strukturen verändert, verbessert und angepasst werden müssen. Es geht darum, gemeinsam zu analysieren, was man an welchen Stellen optimieren kann. Hier habe ich jedoch die große Unterstützung des Leistungssportpersonals, das diesen neuen Weg gemeinsam mit mir eingeschlagen hat. Zusammen erarbeiten wir die wichtigsten Punkte. Jeder ist mit eingebunden und arbeitet mit an diesem Konzept. Die Erfahrungen und das Know-How der beteiligten Personen sind eine sehr wichtige Wissensquelle, um zu reflektieren zu bewerten und schließlich den richtigen Weg zu bestimmen. Wir haben einen Arbeitskreis gegründet, der sich aktiv mit der Konzeptoptimierung befasst. Die Arbeit ist sehr zeitintensiv, erfordert Kreativität und Reflexion, macht uns aber Spaß.

Die Unterstützung vom Präsidium ist uns natürlich sehr wichtig. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn wir mehr aus unseren Möglichkeiten machen wollen.

Nur als Team können wir es schaffen, neue Wege zu gehen und uns stets weiterzuentwickeln.

Ziele und ein perfektes Jahr 2021

„Das ist eine schwierige Frage. Meine Hoffnung ist, dass Trainer, Sportler und Funktionäre gesund bleiben. Das wäre sicherlich der schönste Erfolg nach einem kuriosen Jahr 2020.

Sportlich würde ein perfektes Jahr 2021 damit starten, noch drei weitere Sportler für Tokio zu qualifizieren. Ich traue dies unseren nominierten Sportlern absolut zu. Ebenso wünsche ich mir, dass wir bald wieder in die Normalität zurückkehren können, sodass die Sportler wieder an Turnieren teilnehmen und am Erreichen ihrer Ziele arbeiten können.

Langfristig muss es unser Anspruch sein, stets vier Sportler für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wir sollten uns auch nicht mit der Teilnahme an sich zufriedengeben. Unser Ziel muss es sein, bei Olympischen Spielen Medaillen zu gewinnen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden müssen wir wachsen uns weiterentwickeln und stetig verbessern. Das wird unserer Aufgabe in den nächsten Jahren sein.