Rafik Zohri ist neuer BSP-Trainer in Düsseldorf



Seit dem 1. Juli ist Rafik Zohri neuer Bundestützpunkttrainer am BSP in Düsseldorf. Der 38-Jährige Holländer kann selbst auf eine erfolgreiche Karriere in der niederländischen Nationalmannschaft zurückblicken. Neben zahlreichen internationalen Medaillen gewann er bei der WM in Peking 2007 die Bronze-Medaille und bei der Universiade 2009 die Gold-Medaille in der Herrenklasse -62 kg. Nun möchte er seine Erfahrung und sein Wissen an die Athlet*innen des Bundesstützpunktes weitergeben. Für den neuen Job ist er nach Düsseldorf gezogen. In einem kurzen Interview gab uns Rafik einige spannende Einblicke. Das Interview wurde sinngemäß aus dem Englischen übersetzt.

 

Rafik, wie war dein Start hier in Düsseldorf?

Ich bin nun seit dem 1. Juli hier. Ich habe an dem Tag meine Sachen in die Wohnung gebracht und am Abend stand bereits die erste Trainingseinheit an. Natürlich musste ich mich erst einmal einarbeiten und alles kennenlernen, um dann nach und nach eine Struktur aufzubauen. Inzwischen habe ich mich gut organisiert, sodass ich nun auch die Zeit finde, sehr individuell auf einzelne Athlet*innen eingehen zu können.

 

Wie häufig findet das Training am BSP Düsseldorf statt?

Aktuell ist immer dienstags und donnerstags Training für die Bundeskaderathlet*innen aus der Region bzw. auch für Athlet*innen bei denen ich Potenzial für die Zukunft sehe. Auch Sportler*innen, die noch kein hohes Niveau erreicht haben, lade ich als Trainingspartner für die anderen Athlet*innen ein. Zusätzlich versuchen wir zwei Mal pro Monat einen Sparringstag samstags zu machen. Das hängt aber natürlich auch sehr vom Turnierplan ab. Die Sparringstage sollen auch zur Talentsichtung dienen. Für die Athlet*innen aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr, Anna-Lena Frömming und Cem Ünlüsoy ist zwei Mal pro Tag Training.

 

Vorletzte Woche habt ihr einen Sparringstag gemacht. Was ist aus deiner Sicht typisch für deutsche Athlet*innen? Kannst du da irgendwelche Aspekte ausmachen, die sich von anderen Nationen unterscheiden?

Ich sehe hier sehr viel Potenzial. Viele Athlet*innen bringen eine gute Basis mit, vor allem was die Athletik angeht. Es gibt in der Region viele starke Vereine, die sehr gut strukturiert sind. Was ich aber auch sehe ist, dass die jüngere Generation mental nicht so stark ist. Daran müssen wir auf jeden Fall arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass die Athlet*innen in schwierigen Situationen nicht in der Lage sind, 100% zu geben. Aus meiner Zeit als Athlet kenne ich es so, dass man in schwierigen Situationen einfach sagt „Let’s do it!“. Viele Athlet*innen suchen sich heute lieber den einfacheren Weg. In den Niederlanden ist es ähnlich. Da gibt es „härtere“ Länder wie Korea oder Russland. Da herrscht einfach eine andere Mentalität. Das Leben ist dort härter und dadurch sind die Athlet*innen dort auch daran gewöhnt sich in schwierigen Situationen durchzukämpfen. Ich denke hier in Deutschland müssen wir für jeden Athleten individuell eine gute Balance finden was den Druck angeht.

 

Machst du das Training immer alleine oder bekommst du Unterstützung?

Nein, aktuell mache ich alles alleine, aber im Moment ist das auch in Ordnung so.  Wir müssen erst einmal eine gute Struktur finden. Wenn wir dann weiter wachsen und auch vermehrt mit noch jüngeren Athlet*innen arbeiten wollen, wird sicherlich Unterstützung notwendig sein. Aber an dem Punkt sind wir aktuell noch nicht. Aktuell legen wir den Fokus auf eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern. Die Vereinstrainer müssen Vertrauen in das Programm und natürlich auch in mich als Trainer bekommen.

 

Hast du schon Feedback von den Athlet*innen bekommen? Die Strukturen sind ja auch für die Athlet*innen komplett neu.

Bisher habe ich kein Feedback bekommen oder mit den Athlet*innen speziell dazu gesprochen. Aber mein Gefühl sagt mir, dass die Athlet*innen schon merken, dass es das ist, was sie brauchen und dass sie so wachsen können. Wenn sie individuelles Training benötigen, können sie einfach zu mir kommen. Ich denke, dass viele das zu schätzen wissen und die neuen Strukturen gut finden. Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg!

 

Was sind deine Pläne für die nächsten Monate bzw. bis zum Ende des Jahres?

Der Fokus liegt aktuell darauf, die Struktur und die Organisation aufzubauen. Ich besuche aktuell viele Vereine. Ca. zwei Mal pro Woche  bin ich in einem Verein zu Besuch und spreche dort mit den Trainern. Das ist aktuell mein Hauptfokus. Außerdem muss ich dafür sorgen, dass die Athlet*innen Dienstags und donnerstags zum Training kommen. Wir sind mit ca. drei Athleten gestartet. Inzwischen sind wir meistens zwischen 15 und 20 Athlet*innen. Jetzt ist es wichtig, dass sie weiterhin auch regelmäßig kommen. Ich habe sechs Monate Probezeit, d.h. Ende des Jahres schauen wir, ob die Trainer*innen und Athlet*innen auch weiterhin mit mir arbeiten wollen. Und natürlich werde ich auch schauen, ob es möglich ist, hier etwas aufzubauen. Das ist mir sehr wichtig. Ich will hier nicht einfach nur Training geben, sondern das Gefühl haben, dass ich hier etwas bewegen kann. Ich stelle mir vor, dass das hier zukünftig wie eine Art Akademie wird. Die Athlet*innen sollen nicht einfach nur herkommen, trainieren und wieder nach Hause fahren. Wir wollen ihnen alles für ihre Karriere mit auf den Weg geben, dazu gehören auch bspw. mentale Aspekte und Ernährung. Besonders bei jungen Athlet*innen sind die ersten Jahre sehr entscheidend.

Wir wünschen Rafik viel Spaß und Erfolg für seine Aufgabe in Düsseldorf!

Hier einige Impressionen vom Sparringstag und vom Training:

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