Mit einer Hand an der Medaille



Eine Medaille war heute erneut zum Greifen nahe. Doch man muss Medaillen mit beiden Händen greifen, um sie mit nach Hause nehmen zu können. Dies ist am dritten Wettkampftag in Manchester nicht gelungen, obwohl der Start in diesen Tag dritten Wettkampftag in Manchester aussichtsreich verlief.

 

Mit einer starken, souveränen und hochkonzentrierten Leistung startete Süheda Celik in die EM. In der ungewohnten Gewichtsklasse -46Kg wurde Süheda nicht gesetzt und es war von Beginn an klar, dass dieser Tag heute eine Herausforderung werden würde. Unbeirrt von einer schweren Auslosung zeigte Süheda im ersten Kampf gegen Veronika Pau aus Italien, dass mit ihr heute eine Überraschung gelingen könnte. Mit zahlreichen Drehtechniken und einem absolut souveränen Auftritt besiegt Süheda die Italienerin vorzeitig mit 26:3 Punkten. Diese Souveränität ging ihr dann im darauffolgenden Kampf gegen die Nummer 1 der Weltrangliste Lena Stojkovic (CRO) verloren. Die amtierende Europameisterin aus Kroatien wird ihrer Favoritenrolle in diesem Kampf gerecht, geht von Beginn in Führung und verteidigt diese bis zum Ende. Süheda gelingt zum Ende noch ein schöner Kopftreffer, der den Rückstand verkürzt, die Niederlage aber nicht mehr verhindern kann. 

 

Spannung im ersten Kampf von Vanessa Körndl in der Gewichtsklasse -67Kg. Die an Nummer 4 gesetzte Sportsoldatin konnte den Größenvorteil der Italienerin Natalia D´Angelo stets geschickt kontrollieren und wichtige Treffer mit einer starken Faust erzielen. Dennoch gestaltete sich der Kampf ausgeglichen, eine Siegerin stand nach der regulären Kampfzeit von 2 mal 2 Minuten nicht fest. Die vierte Runde, das sogenannte „Sudden Death“ musste entscheiden. Vanessa besinnt sich hier auf ihre Stärke und erzielt zwei kraftvolle Faustpunkte. Sieg für Deutschland. Im einzigen Deutschen Medaillenkampf am heutigen Tag erhöht sich die Spannung und der Puls bei allen Beteiligten noch einmal drastisch. Auch hier bringt erst die vierte Runde eine Kampfentscheidung. Ein unglücklicher Ausrutscher von Vanessa bringt die Spanierin Cecilia Castro Burgos mit 1:0 in Führung. Die Entscheidung fällt durch einen Faustpunkt für die Spanierin.

 

Andreas Hahn, Referatsleiter Spitzensport im Kommando Streitkräftebasis fieberte auf der Tribüne für die Sportsoldatin Körndl mit: „Mein Puls bebt immer für Taekwondo. Wenn ich die Gelegenheit habe, live dabei zu sein ganz besonders. Ich glaube es war eine starke erste Runde und ein starker Endspurt, aber das Quäntchen Glück hat dann gefehlt, um die dritte Medaille für Deutschland und für die Deutsche Taekwondo Union zu sicher.“

 

Besonders ärgerlich ist diese Niederlage, da zuvor die Olympiasiegerin Matea Jelic aus Kroatien völlig überraschend von der Serbin Aleksandra Perisic aus dem Turnier gekickt wurde. Jelic galt als klare Favoritin in dieser Gewichtsklasse und so wäre Vanessas Halbfinalgegnerin eine ganz andere als gedacht gewesen. 

Hätte, wenn und aber – auch heute endet der Turniertag aus deutscher Sicht viel zu früh!