Leistung anerkennen - Gedanken zur Prüfungsordnung Anlage Handicap



Seit ca. 2 Jahren haben wir jetzt die Anlage zur Prüfungsordnung DTU für Menschen mit einem Handicap. Wer kennt die Anlage, welche Erfahrungen sind damit gemacht worden - welcher Gedanke steht hinter Anlage?
Am Anfang steht die Feststellung eines Handicaps. Was so banal klingt, ist eine ernsthafte Hürde. Welcher Elternteil möchte für sein Kind sagen, dass es ein vielleicht nicht so offensichtliches Handicap hat.

Neben vielen Handicaps, die man sehen kann - gibt es genau so viele, die nicht zu sehen sind, das Leben des betreffenden Menschen aber sehr einschränken.

Wenn ich jederzeit alles kann - wie will und kann ich mich in die Welt einer Person mit Handicap einfühlen. Was hat der Sportler schon geleistet, wenn er im Dobok mit korrekt gebundenem Gürtel in der Halle erscheint.

Ich empfehle ein einfaches Experiment für Autofahrer, um eine Erfahrung zu sammeln:
Zwei Tage auf das Auto verzichten und den Alltag nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln meistern. Also die Fahrt zur Arbeit, zum Einkauf und natürlich zum Training. Immer dabei im Blick - pünktlich sein ist eine Gebot des Respektes.
Auf einmal sind wir abhängig von äußeren Gegebenheiten, viele Unwegbarkeiten können eintreten, die nicht vorausbestimmbar sind - willkommen im Leben einer Person mit Handicap. Natürlich ist ein Handicap mit der o.g. Situation nicht zu vergleichen, der tägliche Kampf ins Leben ist vielschichtig und verlang viel mehr ab.

Personen mit Handicap wollen teilhaben - wollen mit Stolz zeigen, was sie können und was sie gelernt haben. Teilweise ist die Leistung im Fach Taekwondo nicht zu vergleichen, mit den Leistungen anderer Taekwondoin ohne Handicap. Der Weg zur Prüfung ist ein ganz anderer.

Wir haben uns lange Gedanken gemacht und uns gefragt, wie können wir diesem Umstand überhaupt gerecht werden. Wir, das waren Richard Solarski und ich. Herausgekommen ist eine Anlage zur Prüfungsordnung, die dem Prüfling erlaubt die Prüfungsfächer zu wählen. Leistung muss er trotzdem zeigen.

Das ist ein Sonderweg, der für Prüfungen ab dem 4. Dan auch gilt.

In der NWTU haben wir bereits zwei Dan Prüfungen für Menschen mit Handicap durchgeführt. Die dort gezeigten Leistungen waren einer Dan Prüfung mehr als würdig. Was war anders?
Die Prüflinge hatten mehr Zeit sich zwischen den einzelnen Teilen zu erholen. Sie traten mit einem ihnen bekannten Partner an, was ihnen offensichtlich Sicherheit gab.

Sie konnten frei wählen, ob sie Kyorugie oder einer Überprüfungsform (nach freier Wahl) wählten. Die jeweiligen Prüfungsvorsitzenden wahren voll des Lobes.

Diese Anpassungen der Prüfung sind nicht nur im DAN Bereich, sondern gelten auch für Kup Grade. Nachzulesen in der Prüfungsordnung ab Punkt 10.1.6 auf der Homepage der DTU. Diese Ordnung ist für Prüfer der DTU verbindlich und daher kann diese Modifizierung von jedem Verantwortlichen und jedem Sportler mit Handicap eingefordert werden.

Dabei geht es nicht um eine Vereinfachung, sondern um ein Möglich machen!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gutes Gelingen und viel Freude beim Training.

 

Euer Para Beauftragte

Arndt Mallepree