Kadetten WM 2019 - Eine Analyse



Die vierte Auflage der Kadetten-Weltmeisterschaft fand in diesem Jahr vom 07.-10. August in Tashkent/Usbekistan statt. Deutschland schickte insgesamt sechs weibliche Kadetten und einen männlichen Kadett nach Usbekistan. Eine Medaille blieb Deutschland bei dieser WM verwehrt. Bundestrainer Marco Scheiterbauer blickt dennoch optimistisch in die Zukunft.

2 x Platz 5, 191 gesetzte Treffer, 6 gewonnen Kämpfe - Eine Bilanz

 

Nach einer intensiven Vorbereitungsphase traten Dilan Durun, Adiba Asimi, Roja Rezaie, Julika Zimmerling, Mirac Dalcig und Daniel Dosdrowski die Reise nach Usbekistan an. Viele Stunden haben sie gemeinsam mit ihren Heimtrainern und während der DTU-Kadermaßnahmen trainiert, um in Tashkent Top-Fit auf der Fläche stehen zu können. Durchschnittlich 12 Trainingseinheiten und ca. 8 Stunden pro Wochen trainierten die 12-14 jährigen im letzten Monat vor der WM. Betreut wurden die Athleten von Jugend-Bundestrainer Marco Scheiterbauer und Disziplinbundestrainer Nurettin Yilmaz. Für die medizinische Betreuung stand den Kids Physiotherapeutin Nadine Eichinger zur Seite. 

 

„Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, die Kadetten in Usbekistan als Physiotherapeutin zu betreuen. Die Kadetten geben auf der Fläche wirklich alles und aus meiner Sicht sind sie wahnsinnig talentiert. Sie sind nicht nur eine Mannschaft, sondern echte Freunde.“ 

 

 

Mit 54 teilnehmenden Nationen und knapp 700 Teilnehmern war diese Weltmeisterschaft stark besetzt. Ein extremer Leistungszuwachs im Kadettenbereich war deutlich zu erkennen. Die Sportlerinnen aus dem Iran gaben mit 6 gewonnen Goldmedaillen den Maßstab bei den weiblichen Kadetten vor. Bei den männlichen Kadetten setzte sich Russland mit insgesamt 4 Goldmedaillen an die Spitze des Medaillenrankings.

Das Deutsche Team schaffte bei dieser Kadetten-WM nicht den erhofften Sprung aus Treppchen, wobei vier unserer Sportler nur durch die späteren Weltmeisterinnen/Weltmeister besiegt werden konnten. Bei zwei von unseren Sportlern war der Gewinn einer WM-Medaille zum Greifen nahe. Erst im Viertelfinale mussten sich die beiden jungen Athleten, Daniel Drosdowski und Julika Zimmerling, ihren Gegnerinnen geschlagen geben. 

Marco Scheiterbauer bilanziert diese WM: 

 

"Die Leistungen unserer Athleten und Athletinnen waren in den Vorkämpfen zum Großteil sehr gut, jedoch konnten wir in den entscheidenden Kämpfen nicht über uns hinauswachsen bzw. die Entscheidungen zu unseren Gunsten herbeiführen. Hier müssen wir an unseren mentalen und technisch/taktischen Schwächen arbeiten, die mitunter von den späteren Weltmeistern bzw. Medaillengewinnern klar aufgedeckt wurden. Nach den Ergebnissen der Vergangenheit, die wir bei den Kadetten Weltmeisterschaften erreichen konnten (2 x Gold / 6 x Bronze) ist dieses Ergebnis sehr enttäuschend und Bedarf einer detaillierten Analyse und schnellen Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir diese besonderen Leistungen wieder erreichen können, wenn ich auf die talentierten jungen Sportler/innen blicke die sich in unseren Reihen befinden. Die individuelle Entwicklung der einzelnen Teilnehmer bis zur Weltmeisterschaft war enorm, hier haben die Heimtrainer und Heimatvereine einen sehr guten Job gemacht."

Einzelanalyse:

-41 kg Dilan Durgan:
Dilan zeigte eine Top Einstellung und Leistungsbereitschaft. Gegen die spätere Weltmeisterin hat Dilan sehr couragiert und mit vollem Risko gekämpft. Dilan konnte die Iranerin bis zum Ende unter Druck setzen und hat keine Chance ausgelassen, Treffer zu setzen. Die Reichweitenvorteile der Iranerin machten es Dilan schwer ihre Infightstärken noch öfter einzusetzen. 

-37 kg Daniel Drosdowski:
Daniel hat in den beiden Vorkämpfen seine Klasse unter Beweis gestellt und den Dänen und den starken Mexikaner mit seinen gut getimten Kontertechniken besiegt. Im Viertelfinale traf Daniel auf den dominierenden späteren Weltmeister aus Thailand, den er trotz guten Einsatzes nicht besiegen konnte. 

 

-44 kg Adiba Asimi:
Adiba besiegt ihre Gegnerin aus Brasilien souverän. Leider fand sie gegen die mit Reichweitenvorteilen ausgestattete Bulgarin im Achtelfinale kein Rezept. Ihre sonst gut eingesetzten Angriffe wurden von der Bulgarin sehr früh erkannt und immer wieder erfolgreich gekontert. 

-47 Kg Nina Krüger musste kurz vor der WM krankheitsbedingt absagen. 

-51 kg Roja Rezaie:
Technisch stark und mit sehenswerten Kopftreffern gewann die Ex-Europameisterin gegen die USA souverän und startet gut in die WM.
Gegen die spätere iranische Weltmeisterin konnte Roja nach einem schnellen Punkterückstand zwar noch mal aufschließen und den Anschluss bis Mitte der dritten Runde halten. Starke Konter zum Ende der dritten Runde seitens der Iranerin brachten dann die Entscheidung. 

-55 kg Julika Zimmerling:
Julika startete hochmotiviert und sehr fokussiert gegen die Serbien in die WM. Julika dominierte den Kampf und setzte zahlreiche Kopf- und Körpertreffer. Sie beendete den Kampf vorzeitig. Im Viertelfinale setzte sie gleich zu Beginn sehr gute Treffer und ging in Führung. Während des Kampfverlaufs konnte sich die Taiwanerin immer wieder herankämpfen und zwang Julika in die entscheidende vierte Runde. Auch im Golden Kick setzte Julika ihre Gegnerin immer wieder unter Druck. Ein kurz vor Ende des Kampfes erhaltener Minus zwang Julika ihre Offensive zu verschärfen und volles Risiko zu gehen. Im folgenden Schlagabtausch erzielte die Taiwanerin die erste Wertung. 

 

 

-59 kg Mirac Dalgic:
Guter Auftaktsieg von Mirac gegen die zu Beginn starke Ägypterin. Mirac nutzte ihre Reichweite in den folgenden Runden und punktete ihre Gegnerin ein ums andere mal aus. Gegen die agile US-Amerikanerin und spätere Goldmedaillengewinnerin kämpfte Mirac druckvoll und setzte gute Akzente. Ein klarer Kopftreffer, der zu keiner Wertung führte, zwang Mirac zu mehr Risiko und führte dazu, dass die Amerikanerin mit mehr Fauststoßtreffern punktete. Eine starke Schlussoffenisve von Mirac verkürzte den Rückstand, konnte aber den Sieg nicht herbeiführen. Eine sehr unglückliche Niederlage betrachtet man die zahlreichen gewerteten Fauststöße der Amerikanerin und den nicht gewerteten Kopftreffer für Mirac. 

 

 

Die gesamten Ergebnisse der Kadetten-Weltmeisterschaft 2019 können Sie hier nachlesen.