Iris Hitzemann:
 Grande Dame der Poomsae-Szene

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Iris Hitzemann, Formenwettkämpferin der ersten Stunde, hat vor Kurzem ihren Rücktritt aus dem Technik-Bundeskader erklärt. Anlass genug für das DTU-Magazin, die Grande Dame der deutschen Poomsae-Szene um ein Interview zu bitten. Wir freu- en uns, dass wir niemand Geringeren als ihren lang- jährigen Weggefährten, den ehemaligen Technik- Bundestrainer Hado Yun, dafür gewinnen konnten, mit Iris auf ihre lange Karriere zurückzublicken. Hado hat sie bereits während seiner Zeit als Mitglied im Bundeskader kennengelernt und später als Bundestrainer lange Jahre begleitet – zuletzt bei ihrem Einsatz bei der Online-WM.

Iris, du bist eine lange Zeit als Sportlerin erfolgreich gewesen. Was war in den vielen Jahren dein persönliches Highlight?

Das war, als ich 1996 meine Konkurrentin Brigitte Karrasch geschlagen und erstmals auf internationaler Ebene den ersten Platz erreicht habe. Von da an wusste ich, dass ich doch was kann, und habe noch mehr trainiert.

Du bist nicht nur Sportlerin, sondern auch Trainerin. Gab es auch da einen Höhepunkt, an den du dich gerne erinnerst? Du hast ja auch sehr erfolgreiche Kinder!

Die Erfolge meiner Tochter Mirja auf den Europameisterschaften waren definitiv ein Highlight für mich.

Du bist seit den 1990ern dabei: Wie bewertest du die Entwicklung im Formenbereich der letzten Jahrzehnte?

Ich finde die Änderungen gut, zum Beispiel, dass man in den Techniken immer genauer wurde. Aber die Turniere sind mir ein bisschen zu voll geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass es auf einer Euro so viele Kampfflächen gibt. 1999 und 2001 gab es nur eine Fläche – das war eine ganz andere Wettkampfatmosphäre. Man schaute nur auf den einen Starter, das war spannender. Alleine in der Halle zu stehen ist einfacher, als wenn es viele sind und alles so unruhig um einen herum ist.

Wie war es für dich, als Grande Dame im Nationalteam zu sein? Der Großteil des Teams war doch etwas jünger.

Das Nationalteam war super. Man
kann immer auf jemanden zugehen, wenn man Fragen hat. Ich
möchte immer erst einmal üben,
bevor ich jemanden frage, ich war da immer vorsichtig und sage zu mir selbst: „Üb das erstmal noch, bevor du jemanden fragst.“ Daher übe ich sehr viel alleine. Aber im Team sind alle hilfsbereit.

Was hat dir geholfen, die Motivation über einen so langen Zeitraum aufrecht zu erhalten?

Ich mache Taekwondo an sich gerne, egal ob Formen oder Kampf. Nur im Alter ist Formenlauf natürlich besser. Ich habe mich eigentlich immer selbst motiviert.

Was macht für dich die
 Faszination beim Formenlaufen aus?


Dass man alleine dasteht und selbstsicher ist. Diese ganze Atmosphäre finde ich heute noch toll. Und dass man Yop Chagis tritt, ohne zu wackeln, dass du wirklich Gleichgewicht hast. Und dass du zeigen kannst, was du wirklich kannst, und es in dem Moment auf den Punkt bringst.

Hattest du Trainer, die dich besonders geprägt oder unterstützt haben?


Mit Hans Schlewinski habe ich bis zum ersten Dan trainiert und ich konnte ihn immer fragen, wenn ich etwas wissen wollte. Auch Christian Senft ist als Trainer wirklich super. Und natürlich du: Du hast mir schon bei der ersten Euro 1999 viel geholfen. Ich durfte immer zum Training kommen, wenn ihr irgendwo in der Halle wart, und das ist über die Jahre so geblieben. Das finde ich wirklich toll.

Du bist Mutter von vier Kindern: Wie hast du eigentlich Training und Familie unter einen Hut bringen können?

In der wenigen Freizeit, die ich hatte. Wenn ich am Herd beim Kochen stand, habe ich Yop Chagis getreten (lacht). Ich habe jede freie Minute genutzt. Abends, wenn vor allem der Jüngste im Bett war, habe ich mich gedehnt. Oder mein Kind hat einfach mitgemacht.

Gibt es etwas, dass du zukünftigen Formenläufern mit auf den Weg geben willst?


Ja! Dass sie sich durchbeißen und nicht sagen sollen: „Och, ich kann das nicht!“ oder „Ich krieg das noch nicht hin“. Ich habe mich immer selbst motiviert. Auch wenn andere gesagt haben: „Super, toll hast du das gemacht“.

Du hast nach der WM, die überaus erfolgreich verlaufen ist, deinen Hut genommen und deinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Was machst du jetzt?

Formenlaufen! Nur nicht mehr unter Druck ...

... und dürfen wir mit einem Comeback auf Turnieren rechnen?


Nein (lacht). Aber das Training läuft für mich weiter. Und ich bin sicher auch auf Turnieren zu sehen – mit den Kindern, die ich trainiere.

Liebe Iris und lieber Hado, vielen Dank für dieses Interview!