„Ich bin glücklich, dass ich die Chance erhalte, wieder auf olympischer Ebene kämpfen zu können“



Foto (privat): Zur Pressekonferenz der Deutschen Meisterschaft 2020 in Lünen begrüßte die DTU Kimia und ihren Ehemann Hamed als Gäste. Erstmals zeigte sich Kimia hier ohne ihr Kopftuch und beantwortete Fragen der vielen Journalisten.

Kimia Alizadeh erhält Flüchtlingsstatus und darf beim europäischen Qualifikationsturnier um ein Olympiaticket kämpfen

 

Diese erfreuliche Nachricht erhielt Kimia und die Deutsche Taekwondo Union, nach einem außerordentlichen und virtuellen Council-Meeting des Weltverbandes (WT) am 1. Februar. Mit der Statusklärung erhält Kimia Alizadeh nun die Chance, beim europäischen Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2021 zu starten.

Doch nicht nur das. Mit der Aufnahme in das Flüchtlingsteam, kann Kimia nun auch bei anderen internationalen Wettkämpfen auf die Fläche gehen. „Ich hoffe, dass es die Corona-Pandemie es zulässt und ich vor der Qualifikation noch auf einem Turnier kämpfen kann, damit ich vorbereitet in das Qualifikationsturnier starte“, berichtete Kimia glücklich am Telefon. In ihrer gewohnten Gewichtklasse -57Kg will sich Kimia ihren großen Traum von einer erneuten Olympiateilnahme erkämpfen. 

Ein langer Weg liegt hinter der jungen Iranerin, die in einer Nacht-und-Nebelaktion Anfang 2020 den Iran mit ihrem Ehemann Hamed verlassen hat und über Holland nach Deutschland gekommen ist. Durch ihren Bronze-Erfolg bei den Olympischen Spielen in Rio, zählte Kimia im Iran zu den einflussreichsten Frauen im Land. Doch sie verließ ihre Heimat, um in Ruhe und Frieden trainieren zu können. Deutschland sei ein Land mit Gesetzen. Das sei gut, sagt Kimia, denn jeder habe das Recht, selbst zu entscheiden, was einem im Leben wichtig ist.

Kimia hat sich entschieden, den Olympischen Weg in Deutschland weiter zu gehen. Da der Verband seit ihrer Einreise nach Deutschland im intensiven Austausch mit Kimia steht, hatte der Präsident der Deutschen Taekwondo Union e.V. Stefan Klawiter bereits im Sommer 2020 den direkten Kontakt zu Bundesinnenminister Seehofer und DOSB-Präsident Hörmann aufgenommen, um von offizieller Stelle überprüfen zu lassen, ob die Möglichkeit des Selbsteintrittsrechts (die Humanitäre Klausel nach dem Asylrecht §17 Abs. 3) in diesem Fall zum Tragen kommen könne. 

„Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland gab es im Januar 2020 bereits ein persönliches Treffen mit Mitgliedern des DTU-Präsidiums in Hamburg, in dem erste Absprachen getroffen wurden. Wir, als einzig anerkannter Spitzenverband für olympisches Taekwondo in Deutschland, haben uns von Beginn dafür eingesetzt, dass Kimia in Deutschland bleiben kann und Sie aktiv dabei unterstützt, hier ein geeignetes sportliches Umfeld zu finden. In professioneller und gut funktionierender Zusammenarbeit mit der Bayerischen Taekwondo Union e.V., unserem Nürnberger Mitgliedsverein Taekwondo Özer e.V. und dessen 1. Vorsitzenden Herrn Castano und unserem lokalen Bundesstützpunktleiter Herrn Celik,haben wir u.a. kurzfristig eine Wohnung in Nürnberg bereitstellen können, um einen Start in Deutschland zu erleichtern. Da sich in Nürnberg ein offizieller Bundesstützpunkt der Deutschen Taekwondo Union e.V. befindet, konnten unser Sportdirektor Herr Wunderlich und unser leitender Bundestrainer Herr Streif unmittelbar sportfachliche Unterstützung vor Ort gewährleisten“, so DTU-Präsident Stefan Klawiter. Aktuell befindet sich Kimia mit ihrem Trainerstab in Aschaffenburg und trainiert hier mit ihrem Ehemann und vertrauten Physiotherapeuten. Gespräche, dass Kimia bei zukünftigen Maßnahmen der DTU integriert wird, sind zwischen Sportlerin und DTU-Trainern bereits erfolgt.

„Wir haben mit mehreren Befürwortungsschreiben Kimias sportliche Qualifikation und ihre Perspektive in enger Abstimmung mit dem DOSB bestätigt. Neben Kasra Mehdipournejad und Amir Hosseini haben wir nun drei Athleten/-innen mit Flüchtlingsstatus, die in Deutschland leben und trainieren, in der Betreuung von DTU und DOSB. Die Zusammenarbeit mit den Sportlern klappte in der Vergangenheit gut und wir haben sie so gut wie möglich in Maßnahmen der DTU integriert. Wir freuen uns, dass Kimia zukünftig unsere Maßnahmen ebenfalls bereichern kann“, so Holger Wunderlich Sportdirektor DTU.

Der Weltverband (WT), der europäische Verband (WTE) und die Deutsche Taekwondo Union haben nun das Möglichste getan, um Kimia beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen. Ein letzter noch wichtiger Schritt für die junge Sportlerin wäre die Aufnahme in das IOC-Refugee Team, welches über den DOSB koordiniert wird. Eine Entscheidung, welche Sportler in das IOC-Refugee Team aufgenommen werden, trifft der DOSB und das IOC im Juni. „Unser Verband, aber auch ich persönlich, sind sehr froh, dass unsere intensiven Bemühungen in Nürnberg vor Ort, aber auch auf sportpolitischer Ebene nun endlich die gewünschten Früchte tragen“, so DTU-Präsident Stefan Klawiter.

Kimia Alizadeh: „Ohne die Aufnahme in das Flüchtlingsteam, hätte ich nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können und auch ein Start bei der Qualifikation wäre unmöglich gewesen. Darum bin ich sehr sehr glücklich.“