Favoriten scheiden früh aus – zwei Youngstars sicher sich die Goldmedaillen an Tag 2

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Kimia Alizadeh wird fünfte bei den Olympischen Spielen in Tokio in der Gewichtsklasse bis 57Kg.

Am zweiten Wettkampftag dieser Olympischen Spiele gab es gleich zwei kräftige Überraschungen. In der Damengewichtsklasse -57Kg unterliegt die Goldhoffnung aus England, Jade Jones, in ihrem ersten Kampf Kimia Alizadeh. In der Herrengewichtsklasse -68Kg wuchs der Uzbeke Ulugbek Rashitov über sich hinaus und beendete die koreanischen Goldhoffnungen vom hochdekorierten Ausnahmeathlet Daehoon Lee. Die Goldmedaillen gingen an diesem Tag an Uzbekistan und Amerika.

 

Damen -57Kg

Mit besonderen Augen habe ich heute die Damenkämpfe -57Kg verfolgt, da die in Deutschland wohnende Kimia Alizadeh für das IOC-Flüchtlingsteam ihren Olympischen Traum von Gold verwirklichen wollte. Kimia hatte einen emotional schweren Start in diese Olympischen Spiele. Musste sie direkt im ersten Kampf gegen ihr Heimatland, den Iran, antreten. Der Schriftzug auf ihrem Gürtel zierte die Farben der Landesflagge. Im Vorfeld der Spiele sagte mir Kimia:“ Vor und nach dem Kampf sind wir Freundinnen. Ich muss es als Kampf sehen, so wie jeden anderen Kampf auch.“ Genauso fokussiert präsentierte sie sich auch an diesem Tag und vor allem auch in diesem ersten Kampf. Sie entschied den Kampf mit 18:9 Punkten für sich. Im Achtelfinale beendete Kimia mit einer starken und hochkonzentrierten Leistung, die Goldträume von Taekwondo-Superstar Jade Jones, die hier in Tokio mit dem Gewinn der dritten Goldmedaille Sportgeschichte schreiben wollte. Für die meisten, vor allem für ihre Teammitglieder Bianca Walkden und Lauren Williams eine schockierende Überraschung. Tränen flossen und zu verstehen, was hier passiert ist, fällt dem englischen Team am heutigen Tag schwer. 

Kimia hingegen ließ ihrer Freude freien Lauf, jubelte und zeigte mit ihrem 9:8 Sieg im Viertelfinale gegen die Chinesin Ljun Zhao, dass hier eine Medaillenkandidatin auf der Fläche steht. Erst die zweifache Vize-Weltmeisterin und dreifache Europameisterin Tatiana Minina (früher Kudashova) beendete das klar ausgesprochene Ziel „Goldmedaille“. 

 

Das Finale -57Kg

Es war ein Kampf auf Augenhöhe. Ein Kampf, bei dem beide Athletinnen den geringen Vorsprung ihrer Kontrahentin unmittelbar versucht hat aufzuholen. Alle drei Runden konnte die Amerikanerin Anastasija Zolotic für sich entscheiden. Wenn auch knapp, aber in allen Runden ging sie mit einem knappen 2-Punktevorsprung in die Pause. Vielleicht war es dieses unglaublich positive Gefühl, was sie schon seit ihrem letzten Training am gestrigen Tag in sich hatte, welches sie zum Sieg gepuscht hat. 

Stimmen zum Finale:

Anastasija: "Ich habe schon gestern nach meinem letzten Training gefühlt, dass dies mein Tag werden wird. Ich wusste es seit diesem Moment, weil ich mich sehr gut gefühlt habe. Und jetzt ist es wahr geworden und ich habe mein Ziel, die Goldmedaille zu gewinnen, erreicht. Ich freue mich auf Zuhause und dass ich diese Goldmedaille mitbringen kann."

Tatiana: "Natürlich ist man im ersten Moment enttäuscht, dass man verloren hat. Aber jetzt, eine Stunde später mit der Medaille um meinen Hals, bin ich einfach nur glücklich Silber gewonnen zu haben."

Kampf um Bronze

Im ersten Medaillenkampf dieser Gewichtsklasse waren es, wie so oft in diesen Stunden, Aktionen in den letzten Sekunden die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage machten. Ein ausgeglichener Kampf zwischen Tekiath Ben Yessoue aus Niger und Chia-Ling Lo aus Taipei. Teehkiath, vom ehemaligen Bundestrainer Markus Kohlöffel gecoacht, stand kurz davor die erste Medaille für ihr Land in der Damenklasse zu gewinnen. Doch es war Chia-Ling die den entscheidenden Kopftreffer in den letzten Sekunden des Kampfes zum 10:6 Endstand setzte. Bronze für Chia-Ling Lo. 

Stimmen zum Kampf: 

Markus Kohlöffel: "Die Enttäuschung ist kurz nach dem Kampf schon groß, weil wir tatsächlich eine gute Chance hatten, die Medaille zu holen. Gerade wenn der Kampf dann auch in den letzten Sekunden gegen einen entschieden wird, tut das weh. Aber ich bin dennoch sehr zufrieden, dass wir hier mit einem fünften Platz nach Hause gehen, denn allein die Qualifikation für diese Spiele war keine Selbstverständlichkeit."

Der große Medaillentraum von Kimia Alizadeh zerplatzte im Medaillenkampf gegen die amtierende Europameisterin Hatice Kübra Ilgnung aus der Türkei. Zwar konnte Kimia die erste Runde durch einen Kopftreffer mit 3:2 für sich entscheiden, in Runde zwei und drei gelang ihr aber kein Treffer mehr auf die Weste oder zum Kopf. Im Gegenzug punktete die Türkin ein ums andere Mal, erhielt aber auch drei Verwarnungen in den letzten drei Sekunden des Kampfes, was letztlich zum 8:6 Endstand führte. Die Tränen flossen bei Kimia und die Enttäuschung war deutlich zu spüren. 

Wir sind dennoch stolz auf eine starke Leistung von Kimia, die ihre Olympischen Spiele in Tokio, nach einer sehr anstrengenden und schweren Vorbereitung mit Platz 5 beendet. 

Stimmen zum Kampf: 

Vanja Babic: "Eine Jade Jones bei Olympia zu schlagen ist bärenstark. Generell war Kimia heute sehr stark. Auch wenn sie ihr Ziel nicht erreicht hat, kann sie stolz auf ihre Leistung heute sein."

Kimias Trainer Davoud: "Wir sind sehr enttäuscht. Wir sind hierhergekommen, um Gold zu holen. Jetzt fahren wir mit leeren nach Hause. Darum sind wir sehr enttäuscht. Es gab einige Fehler im Medaillenkampf, die wir verbessern müssen. Aber jetzt im Moment sind wir einfach nur enttäuscht."

Hatice Kübra Ilgnun: "Ich habe davon geträumt, wie jeder Athlet, einmal davon träumt bei Olympischen Spielen zu gewinnen. Auch wenn ich Gold verloren habe, bin ich happy mit Bronze und ich denke, ich habe es verdient!

 

Herren -68Kg

Für die größte Überraschung in dieser Gewichtsklasse sorgte der erst 19-jährige Uzbeke Ulugbek Rashitov in dem er den dreifachen Weltmeister, Vize-Olympiasieger und 12-fachen Grand Prix Sieger Daehoon Lee (KOR) im Golden Point aus dem Turnier kickte. 

Auch Rio-Olympiasieger Shuai Zhao aus China musste im Halbfinale seine Titelträume begraben. Er verlor aber gegen keinen geringeren als den amtierenden Weltmeister in dieser Klasse, Bradly Sinden aus England.

Das Finale -68Kg

Spannung pur bis zur allerletzten Sekunde beim Finale -68Kg zwischen Bradly Sinden (GBR) und Ulugbek Rasshitov (UZB). Wer den Engländer kennt, der weiß, dass er eine unglaubliche Kondition hat und auch in den letzten Sekunden eines Kampfes noch nahezu 100% Leistung geben kann. Doch am heutigen Tag war der agile Uzbeke derjenige, der sechs Sekunden vor Schluss beim kritischen Stand vom 30:29 Punkten den wichtigen Westentreffer setzte und 32:29 in Führung ging. Sinden konnte diesen Vorsprung trotz Pressing nicht mehr aufholen. Der erst 18-jährige Ulugbek Rasshitov besiegt an diesem Tag nicht nur den 3-fachen Weltmeister aus Korea, sondern auch den amtierenden. Olympiasieger und somit Gold für Ulugbek Rasshitov. 

Stimmen zum Finale:

Ulugbek: "Ehrlich gesagt, kann ich es immer noch nicht glauben. Uzbekistan hatte noch nie einen Olympiamedaillengewinner. Es ist ein Traum für mich. Ich kann es nicht beschreiben. Ich bin überwältig von meinen Emotionen. Das war alles Gottes Wille. Ich kann trainieren und mich vorbereiten. Aber am Ende ist es Gottes Wille. Jede Kleinigkeit macht bei Olympia den Unterschied aus. Manche sehen, wie hart wir arbeiten, um überhaupt hier zu sein. Es ist nicht leicht. Aber hier ist dann alles möglich. Also hoffe ich auf mehr Olympiamedaillen für mein Land."

Bradly: "Wir waren alle geschockt und traurig als Jade verloren hat. Aber ich musste mich schnell auf mich konzentrieren und das habe ich auch getan. Natürlich war es ein knapper Kampf, der in den letzten Sekunden entschieden wurde. Aber nach einer Weile werde ich realisieren, was ich in den letzten 5 Jahren alles erreicht habe."

 

Die Kämpfe um Bronze

Hakan Recber gewinnt im Kampf um die Bronzemedaille gegen Nedzad Husic mit 22:13 Punkten und gewinnt für die Türkei die erste Medaille dieser Olympischen Spiele. 

Im zweiten Medaillenkampf setzt sich der Rio-Olympiasieger, Shuai Zhao aus China gegen den koreanischen Medaillensammler Daehoon Lee knapp mit 17:15 Punkten durch und gewinnt Bronze. 

Stimmen zum Kampf:

Servet Tazegül: "Der Kampf war sehr schwer. Er war schwer, weil der Bosnier normalerweise -74Kg kämpft und Hakan -63Kg. Und wir mussten sehr auf das Gewicht achten. Der Bosnier hat auch in diesem Jahr die Europameisterschaft gewonnen. Aber ich habe aber an ihn geglaubt und er hat an sich geglaubt. Unser Ziel war natürlich mehr, weil bei Olympischen Spielen alles möglich ist. Aber trotzdem sind wir auch sehr glücklich über Bronze. Es war die erste Medaille für die türkische Olympiamannschaft, darum sind wir sehr stolz."

Hakan Recber: "Ich hatte den Plan eine Medaille zu gewinnen. Aber es ist immer schwer, diesen Plan auch umzusetzen. Wir haben viel dafür gearbeitet und ich bin stolz auf unsere Medaille. Es ist eine ehre von Servet gecoacht zu werden und mit ihm alleine trainieren zu können."

Shuai Zhao: "Die letzten 5 Jahren waren sehr denkwürdig. Bei den Olympischen Spielen in Rio habe ich -58Kg gekämpft und hier in Tokio -68Kg. Das war eine sehr große Herausforderung für mich. Gut, hier im Halbfinale hat sich der Kampf in den letzten 15 Sekunden entschieden. Aber der Kampf ist vorbei und ich muss es abhaken. Aber ich werde weiterkämpfen, vielleicht schon in Paris für ein weiteres Gold für mein Land."

 

 

Fotos: World Taekwondo