Europameisterschaft 2021: (Viertel-) Finaltag in Sofia - Ein erster kurzer Bericht



Der letzte Wettkampftag bei der Europameisterschaft in Sofia ließ zunächst die Aussichten auf weitere Medaillen für das Deutsche Team gut aussehen. Olympiateilnehmer Alexander Bachmann (+87Kg), Lorena Brandl (+73Kg) und Alema Hadzic (-73Kg) besiegten ihre Gegner/innen aus dem Vorrundenkampf und zogen ins Viertelfinale ein. Eine dreifache Medaillenchance für Team Deutschland, die, wie Sie womöglich schon aus den sozialen Medien wissen, nicht genutzt werden konnte. 

 

Alexander Bachmann stand in seinem Viertelfinalkampf dem an Nr.1 gesetzten Vadislav Larin gegenüber. Die letzte Begegnung dieser beiden Top-Athleten entschied der Deutsche für sich. Das war 2017 bei der Weltmeisterschaft, wo Alex sensationell den WM-Titel gewonnen hat. Vielleicht auch aus diesem Grund, war der gegenseitige Respekt beider Athleten während des Kampfes sehr hoch. Obwohl das Endergebnis von 6:16 Punkten deutlich erscheint, ließen beide Kämpfer ihre Klasse aufblitzen. Nicht zu Unrecht, sind beide Sportler bereits für die Olympische Spiele in Tokio qualifiziert. Ein Aufeinandertreffen aufgrund der Setzposition durchaus möglich. „Es war gut, dass ich vor Olympia noch mal mit ihm gekämpft habe“ – berichtete Alex nach seinem Kampf. Zufrieden sei er natürlich mit dem Ergebnis nicht. Doch nach seiner knapp dreiwöchigen Quarantäne, die erst kurz vor Abflug durch ein negatives Testergebnis beendet werden konnte, fehlte dem Sportsoldat unterm Strich doch die letzten so wichtigen Trainingseinheiten mit Sparringspartnern vor der EM. 

Unter ähnlichen Voraussetzungen musste auch Lorena Branld (+73Kg) das Projekt „EM2021“ antreten. Nach 2 Wochen Quarantäne wegen eines Corona-Falls in der direkten Kontaktkategorie, folgte anschließend die zweiwöchige Quarantäne, weil sie selbst positiv auf Corona getestet wurde. „Es war für mich sehr schwer, in diesen 4 Wochen Quarantäne die Kondition aufrecht zu halten. 2 von den 4 Wochen war ich positiv und da musste ich auch auf meine Gesundheit achten. Das war echt hart. Das Training in diesen 4 Wochen vor der EM haben mir im Viertelfinale gefehlt“ – Lorena Brandl. Schon der erste Kampf gegen die starke Türkin war für Lorena ein Drahtseilacht, jedoch mit dem glücklicheren Ende für die Sportsoldatin. Im Viertelfinale, fehlte dann einfach die Kraft, den zeitweise hohen Vorsprung auch zu halten und die Medaille mitzunehmen. „Es wäre möglich gewesen, aber ich konnte einfach nicht mehr dagegenhalten. Ich denke, dass sind auch die Folgen der Corona-Infektion“. Für Sie heißt es nun, zu alter Form zurückzufinden, um in 4 Wochen beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele wieder fit, stark und aggressiv auf der Fläche zu stehen. 

Mit einem deutlichen Sieg startete die Studentin Alema Hadzic (-73Kg) in ihre Wettkämpfe. Ihre insgesamt dritte EM-Medaille schien zum Greifen nahe. Kam sie in ihrem Kampf gegen die Ukraine ein ums andere Mal mit ihren überraschenden Kopftritten zum Ziel. Genau dies gelang der Nürnbergerin im Viertelfinale gegen die relativ kleine Russin nicht. Es gelang Alema zwar ihre gewohnte Kopftechnik zu platzieren, doch leider erfolgte keine Wertung auf dem Scoreboard. Die einzige Wertung in diesem Viertelfinale war ein Fauststoß, der einen knappen 1:0 Punkte Sieg für die Russin bedeutete. 

 

Ebenfalls sehr knapp verlor Cem Ünlüsoy (-87Kg) seinen Auftaktkampf gegen Bosnien Herzegowina. Bis zum Schluss versuchte der Sportsoldat den entscheidenden Treffer für einen Sieg noch zu setzen. Doch auch der letzte kräftige Fauststoß fand keine Wertung. Der Kampf ging hauchdünn mit 5:6 Punkten verloren. 

 

 

Stimmen der Bundestrainer zum Abschneiden der Mannschaft:

Vanja Babic: Leider war das keine gute Europameisterschaft für die Herren. Viele Dinge haben nicht gepasst. Wir haben noch viel Arbeit, um wieder an die Spitze zu kommen“. 

Boris Winkler: Auf der einen Seite bin ich natürlich zufrieden, dass wir mit Ela einen dritten Platz erreicht haben. Aber auf der anderen Seite bin ich auch enttäuscht, da wir die Kämpfe teilweise nur kontrolliert haben, anstatt sie selbst in die Hand zu nehmen. Hätten wir von Anfang an mehr Druck ausgeübt, wären einige Kämpfe bei den Damen mehr gewonnen“. 

Georg Streif: „Das Ergebnis mit einer Medaille, 6 Viertelfinals und 7 Achtelfinals erfüllt nicht unseren Anspruch. Bis zum Viertelfinale wurden meist stabile Leistungen gezeigt, die dann für einen Medaillenplatz nicht mehr ausreichten. Leider waren schon die Vorzeichen mit zahlreichen Coronafällen und Quarantänemaßnahmen keine ideale Vorbereitung für einige.“ 

 

Foto:  Murat Tarhan