Europameisterschaft 2021: Tag 2 und 3



3 Viertelfinals aber keine Medaillen an Tag 2 und 3 für das Deutsche Team

 

Am zweiten Tag stand die erst 18-jährige Laura Goebel in der Gewichtsklasse -57Kg kurz vor einer kleinen Sensation. Im Achtelfinale traf die Iserlohnerin auf die an Nr. 3 gesetzte Kroatin Nikita Glasnovic, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio kämpfte und eine sehr erfahrene Athletin ist. Laura blieb während der gesamten Kampfzeit konzentriert und konnte durch effektive Treffer zur Weste und zum Kopf mehrfach in Führung gehen. Die weitaus erfahrenere Kroatin fand kein richtiges Mittel gegen die hochkonzentriert kämpfende Goebel. Am Ende der regulären Kampfzeit zeigte das Scoreboard 11:11 unentschieden an, sodass die vierte Runde (der sogenannte Sudden Death) entscheiden musste. Auch die vierte Runde war ein enger Abtausch der beiden Sportlerinnen, mit dem glücklicheren Ende für die Kroatin. Ein toller Kampf der jungen Sportlerin, die das erste Mal bei einer Senioren-EM am Start war. Aber sicher nicht das letzte mal. 

Ebenfalls mit großem Herz kämpfte Julia Ronken in der Gewichtsklasse -53Kg. Bemüht und engagiert gestaltete sie ihren Kampf, konnte aber, zum Entsetzen der Anwesenden, keinen Westen- oder Kopftreffer landen. Ihr Auftaktkampf ging somit relativ deutlich mit 0:11 Punkten verloren.

 

 

Imran Özkaya (-68Kg) erwischte einen sehr guten Start in seine zweite Europameisterschaft. 2018 gewann er als einziger deutscher Starter bei der U-21-EM die Bronzemedaille. In Sofia sah es ebenfalls so aus, dass er berechtige Medaillenambitionen pflegte. Seinen Auftaktkampf gegen den starken Serben gewann Imran mit 26:21 Punkten. Im Achtelfinale traf ihn dann ein Tritt seines Kontrahenten schwer an der Schulter, sodass der leitende Wettkampfarzt an der Fläche entschied, den Kampf beim Stand von 18:4 abzubrechen. Der Aserbaidshaner verließ die Fläche somit als Sieger. 

Ebenfalls in einer guten Form präsentierte sich der WM-Bronzemedaillengewinner von 2019 Jordanis Konstantinidis in der Gewichtsklasse -63Kg. Nach einem souveränen Sieg gegen Slowenien schien eine Medaille zum Greifen nahe. Im Viertelfinale musste sich der Sportsoldat jedoch mit 2:11 gegen Italien geschlagen geben. 

 

 

Zwei Viertelfinals am dritten Wettkampftag

Gleich zweimal schien es so, dass Deutschland am dritten Wettkampftag eine weitere Medaille gewinnen könnte. Doch beide Viertelfinalisten fanden kein effektives Mittel gegen die stark kämpfenden Kontrahenten. 

Eduard Drewlau setzte sich in einem spannenden Achtelfinal-Kampf mit 13:9 Punkten gegen Zypern durch und erkämpfte sich zum ersten Mal in seiner Karriere einen Platz im Viertelfinale bei einer Europameisterschaft. Sein Kontrahent, Olympiateilnehmer von 2016 aus Polen, schien an diesem Tag schwer zu stoppen zu sein. Eduard erzielte mehrere gute Treffer zur Weste und kämpfe trotz Überlegenheit des Polens stets engagiert weiter, eine 10:19 Niederlage konnte er aber nicht verhindern. Der Pole marschierte an diesem Tag bis ins Finale durch und gewann hier den EM-Titel. 

Der Fokus beim Nürnberger Tahir Gülec liegt ganz klar auf der erneuten Qualifikation zu den Olympischen Spielen. Dennoch wollte der Sportsoldat an diesem Tag ein Zeichen setzen. Was ihn im steckt, blitzte bei seinem Auftaktkampf gegen Frankreich kurzzeitig auf. Innerhalb weniger Sekunden drehte er einen 0:7 Punkterückstand mit zwei erfolgreichen Dwitt-Chagies in eine 9:7 Führung. Spannend bis zum Schluss verlief dieser Kampf, den Tahir letztlich mit 11:10 gewann. Im Viertelfinale stand ihm der an Nr. 2 gesetzte Aserbaidschaner Milad Beigi gegenüber, gegen den Tahir am heutigen Tag den kürzen zog. Der Aserbaidschaner kämpfte sich bis ins Finale vor und gewann Silber. 

 

Für alle deutschen Sportler besonders wertvoll werden die zahlreichen Videoaufnahmen sein, die Klaus Haggenmüller während der gesamten Europameisterschaft für unser Team sammelt. Mithilfe seines Videoanalyseprojektes können im Anschluss an diese Europameisterschaft noch einmal alle möglichen Gegner, die bei der kontinentalen Qualifikation zu den Olympischen Spielen auf Tahir treffen können, analysiert werden. Ebenso werden natürlich auch die eigenen Stärken und Schwächen noch einmal genausten begutachtet, um die letzten Vorbereitungstage auf dieses wichtige Turnier noch effektiver zu nutzen. 

Sodass wir in knapp 4 Wochen in demselben Hotel in Sofia, weitere Startplätze für die Olympischen Spiele in Tokio erkämpfen werden. „Die Aufnahmen hier in Sofia laufen reibungslos. Das Personal hier in Bulgarien ist sehr kooperativ und ich kann für das Projekt, viele wichtige Daten sammeln. Diese sollen dann den Sportlerinnen/Sportlern und ihren Trainern in der Vorbereitung auf die kommenden Turniere helfen, noch besser vorbereitet in die Kämpfe zu gehen, weil man einfach viel mehr Material und Daten über die Gegner zur Verfügung hat.“ Klaus Haggenmüller. 

Die einzige weibliche Starterin Anna-Lena Frömming (-62Kg) startet in ihrem gewohnten aggressiven und engagierten Kampfstil in diese Europameisterschaft. Die sehr zurückhaltend Kämpfende Spanierin fand jedoch stets eine Lücke auf der Weste, sodass Anna-Lena häufig einen Rückstand hinterherlaufen musste. Diesen konnte Anna-Lena bis zum Schluss nicht mehr aufholen, sodass am Ende eine knappe 6:9 Niederlage stehen bleibt. 

 

Vanessa Körndl musste auf einen Start bei dieser Europameisterschaft leider verzichten, da sie kurz vor dem Abflug nach Sofia noch positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. 

 

 

 

Am dritten Wettkampftag gingen ebenfalls für das Flüchtlingsteam Kimia Alizadeh (-62Kg) und Kasra Medhipournejad (-74Kg) an den Start. Beide gewannen jeweils ihre Auftaktkämpfe. Kimia zog mit ihrem Sieg sogar ins Viertelfinale ein und hatte die Chance, ihre erste Medaille bei einer Europameisterschaft zu gewinnen. Gegen die spätere Siegerin aus Kroatien unterlag sie aber deutlich. Auch Kasra Medhipournejad musste eine Niederlage in seinem zweiten Kampf akzeptieren. 

An beiden Wettkampftagen stets bis zum Finale im Einsatz war unser mitgereister Kampfrichter Abdullah Ünlübay. Neben einigen Einsätzen als Center-Referee bei hochkarätigen Kämpfen, wurde Abdullah auch das ein oder andere Mal bei Final-Kämpfen als Kampfrichter eingesetzt. Eine wichtige Arbeit, die der Bayer hier für Deutschland leistet.