Erster Sparring-Tag am Bundesstützpunkt in Düsseldorf

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Draußen liegt Schnee und die Temperaturanzeige zeigt minus 5 Grad Celsius an. Doch drinnen kommen die Sportlerinnen und Sportler ordentlich ins Schwitzen. Es ist der erste Sparring-Tag am Bundesstützung in Düsseldorf, der den Sportlerinnen und Sportlern aus dem Taekwondo-Bundeskader die Möglichkeit bietet, sich auch während der Pandemie bestmöglich auf die bevorstehenden großen Wettkämpfe vorzubereiten.

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Zweimal pro Woche trainieren einige der Sportlerinnen und Sportler in Düsseldorf, allerdings unter der Woche. Da die Vereine in NRW überall verstreut sind, schafft es jedoch nicht jeder zeitlich, an diesen beiden Tagen nach Düsseldorf zu kommen. „Am Wochenende ist es für viele einfacher und deswegen haben wir uns überlegt, jede zweite Woche am Wochenende einen solchen Sparring-Tag anzubieten“, erklärt Jannis Dakos, Vize-Präsident der DTU. 18 Taekwondo-Sportlerinnen und -Sportler sind direkt beim ersten Mal dabei. „Das freut mich sehr. Wir als DTU wollen die sportlichen Potentiale der Athleten, die es in NRW gibt, fördern und unterstützen. Die Verbände können eben am meisten vom Training profitieren, wenn sie sich zusammentun. Und das hat jetzt beim ersten Mal direkt gut funktioniert. Wenn man sich hier umschaut, dann sieht man, dass es hier nur um fairen Sport geht.“

Aufgrund der Anzahl der Sportlerinnen und Sportler, die an diesem Tag zusammengekommen sind, wurde mithilfe einer Mitarbeiterin vom OSB ein Corona-Schnelltest durchgeführt. Dabei geht es vor allem um das Sicherheitsgefühl der Sportler. „Wir müssen einfach schauen, dass wir eine Lösung finden, wie es trotz Pandemie weitergehen kann“, erklärt Dakos.

Eine Sportlerin ist aus Hamburg angereist und dafür alleine um 3 Uhr morgens losgefahren, nur um dabei sein zu können. „… weil sie unbedingt trainieren will. So wie alle anderen hier auch. Fast ein ganzes Jahr waren die Trainingsmöglichkeiten begrenzt und dieser Sparring-Tag gemeinsam mit anderen Sportlern auf demselben hohen Niveau ist eben etwas anderes, als alleine in der Halle gegen eine Pratze zu treten.“

Heute trainieren die Sportlerinnen und Sportler unter der Aufsicht von Mokdad Ounis von der NWTU und Martin Schoepe von der TUNRW. Aber sie sind nicht die einzigen Trainer, die heute hier sind: Auch mehrere Stützpunkttrainer aus NRW sind da, die hier die Gelegenheit bekommen, ihre Schützlinge zu beobachten und so Erkenntnisse für das Heimtraining zu gewinnen, zu sehen, was bereits gut klappt und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. 

Sportliches Miteinander

Um die Genehmigungen für dieses Training hat sich Bundesstützpunktleiter Tayar Tunc gekümmert. Damit ein solcher Tag stattfinden kann, muss im Hintergrund einiges geregelt werden, was die Sportlerinnen und Sportler gar nicht mitbekommen. „Letztendlich geht es ja vor allem darum, dass alle ihre Leistungen bringen können und dabei gesund bleiben. Das hat immer oberste Priorität“, stellt Tunc klar. „Es bringt nichts, wenn wir uns hier treffen und drei Tage später alle in Quarantäne sind. Deswegen muss man gerade diese Phase sehr behutsam angehen. Unsere Verantwortung ist es nicht nur, den Sportlerinnen und Sportlern die besten Rahmenbedingungen zu geben, sondern sie mit diesen Maßnahmen zu stärken.“ Natürlich würde er sich wünschen, dass die Trainingseinheiten öfter stattfänden: „.. aber das ist zur Zeit einfach Wunschdenken. Wir müssen mit kleinen Schritten anfangen und das Ganze behutsam und im Sinne des Sports vernünftig und sukzessive aufbauen und das Pensum erhöhen, sobald die Infektionszahlen runtergehen.“

Gerade jetzt ist es wichtig, dass sich die Sportlerinnen und Sportler vorbereiten und miteinander trainieren können. Wichtige Turniere stehen an und dabei geht es nicht nur um Spaß, sondern auch um Erfolg, weiß der erfahrene Trainer: „Deswegen wollten wir ihnen hier eine Möglichkeit schaffen, sich trotz Pandemie gut vorbereiten zu können. Man sieht hier und da noch etwas abgehackte Bewegungen. Da fehlt einfach die Erfahrung im Wettkampf und das müssen wir ändern.“ 

Tunc freut es außerdem zu sehen, wie sportlich die unterschiedlichen Verbände miteinander umgehen: „Ich finde es sehr schön, nicht nur die Solidarität unter den Sportlern, sondern auch unter den Trainern zu sehen. Die gehen alle sehr freundschaftlich miteinander um. Ich bin stolz darauf, dass wir hier in Düsseldorf einen neutralen Ort geschaffen haben, der signalisiert: Wenn ihr hier am Bundestützpunkt seid, dann seid ihr alle gleich, dann habt ihr alle die gleichen Voraussetzungen. Dass das gut angenommen wird, merke ich auch in den Gesprächen mit den anderen Trainern.“

Auch über den Einsatz von Jannis Dakos freut Tunc sich: „Ihm möchte ich auf diesem Wege alles Gute wünschen. Er hat vor einigen Monaten diese Position als Vize-Präsident der DTU übernommen und wir alle müssen die Verantwortlichen unterstützen, wo wir nur können. Schließlich macht er das nicht nur für sich, sondern für den Sport und somit für uns alle. Er muss die Möglichkeit bekommen, dass wir gemeinsam Hand in Hand arbeiten, damit unsere kleine olympische Familie zusammengehalten wird. Und ich denke, der heutige Tag zeigt ganz gut, dass das funktioniert.“

Die Europameisterschaft im Blick

Besonders wichtig sind diese Trainingstage für die Sportlerinnen und Sportler aus NRW, die sich für die Europameisterschaft im Frühjahr qualifiziert haben. Außer Cem Ünlüsoy, der verletzungsbedingt dieses Mal noch nicht dabei sein konnte, sind das Julia Ronken und Laura Goebel.

"Mein Ziel ist es natürlich, mich auf der EM zu platzieren. Dafür versuche ich die Vorbereitung unter diesen besonderen Umständen bestmöglich durchzuziehen und das Beste aus mir herauszuholen, damit ich, wenn es drauf ankommt, im Kampf abliefern und schließlich auf dem Treppchen stehen kann“, erklärt Julia Ronken, für die es die erste Senioren-Europameisterschaft sein wird. Es ist ihre erste Senioren-Europameisterschaft. „Ich bin stolz, dass ich die Qualifikation geschafft habe – trotz der erschwerten Bedingungen im vergangenen Jahr. Ich möchte beweisen, dass sich mein Training gelohnt hat.“

Auch für Laura Goebel ist es das erste Mal. Sie hat im Dezember Geburtstag und so ist es zwar schon das zweite Jahr bei den Senioren, „aber dennoch bin ich die Jüngste und das letzte Jahr kann man eigentlich kaum mitzählen aufgrund der Pandemie.“ Für sie heißt es jetzt gegen Gegner anzutreten, die vorher ihre Vorbilder gewesen sind. „Ich würde mir wünschen, dass ich platziert werde und gegen gute Gegner antreten darf, gegen Jade Jones zum Beispiel, das ist natürlich die Weltspitze, aber es kann tatsächlich gut sein, dass mein erster Kampf gegen sie sein wird, da ich in der Weltrangliste noch nicht so viele Punkte habe. Wenn ich mich da gut anstelle, selbst wenn ich verliere, wenn ich zeigen kann, dass ich mich nicht verkloppen lasse, kann ich schon sehr stolz sein.“

Auch Dakos ist optimistisch und weiß: „Es ist für die beiden Sportlerinnen extrem wichtig, so gute Sparringspartner zu haben. Auch die anderen, die die Qualifikation diesmal nicht geschafft haben, sind sehr leistungsstark und pushen sich gegenseitig.“ Bereits in zwei Wochen soll der nächste Sparringtag stattfinden, der ein weiterer von vielen sein soll.