EM 2021: Poomsae ist zurück auf der internationalen Wettkampffläche



Lange fieberte ganz Technik-Europa, ob die für 2021 angesetzten Europameisterschaften als Präsenzveranstaltung stattfinden können. Mitte November war es dann tatsächlich soweit: Knapp 400 Teilnehmer aus 25 Nationen kamen im portugiesischen Seixal zusammen, um die Besten Europas in insgesamt 35 Klassen unter sich auszumachen.

Das deutsche Nationalteam ging mit 26 Sportlerinnen und Sportlern an den Start und gewann insgesamt zwei Europameistertitel, drei Silber- sowie sieben Bronzemedaillen. Damit belegte Deutschland im Gesamtklassement Platz 7, in der reinen Herrenwertung konnte Vizepräsident Technik Rainer Tobias sogar den Pokal für Platz 3 entgegennehmen.

In Zeiten von erneut steigenden Infektionszahlen war dies sicherlich keine gewöhnliche Euro. Dennoch gelang es den Organisatoren, eine auch mit viel Liebe zum Detail vorbereitete Meisterschaft auf die Beine zu stellen: Große Halle, ausreichend Platz auf den Rängen, viel Personal, das half, Hygieneregeln einzuhalten. Das deutsche Team wandte zusätzlich weitere Maßnahmen an, etwa, sich in den Gängen und nicht im vollen Aufwärmbereich auf den Start vorzubereiten. Auch der organisatorische Ablauf war reibungslos, einzig einer altbekannten Herausforderung mussten sich alle Sportler wie immer stellen: Dem Zeitplan und unklaren Startzeiten.

Den Teilnehmenden war jedenfalls die Freude über das Präsenzturnier und das Wiedersehen der Taekwondogemeinschaft deutlich anzusehen. Und als hätte der Sportbetrieb aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen überhaupt nicht stillgestanden, zeigten sie zum Teil sehr beeindruckende Leistungen. Der siebte Platz Deutschlands im Nationenranking wirkt auf den ersten Blick und im Vergleich zu vergangenen Jahren entfernt von den Erwartungen. Ein Grund für die Platzierung liegt in dem erfreulichen Umstand, dass die Goldmedaillen dieses Jahr breit verteilt sind und sich nicht nur auf ein oder zwei Länder konzentrieren.

Das Bundestrainerteam hat die Leistung aller deutschen Starter:innen analysiert:

 

Matteo-Won Campana, Gold Einzel Kadetten männlich

Matteo hat einen sauberen Blitzstart hingelegt, vom Perspektiv-Sportler im Sommer zum Europameister im Herbst. Innerhalb kürzester Zeit hat er es geschafft, sich technisch und mental perfekt auf die EM vorzubereiten. Hoch konzentriert und äußerlich gelassen setzte er sich mit beinahe makellosen Formen im Halbfinale an die Spitze. Unbeeindruckt von aufkeimender Goldhoffnung brachte er auch im Finale seine Formen mit blitzsauberen Kicks und starker Ausstrahlung auf die Matte und überzeugte sowohl Jury als auch das Publikum, dass dieser Europameistertitel nur an ihn gehen konnte.

 

Vivi Do, Platz 6 Einzel Kadetten weiblich

Als eine der jüngsten Teilnehmerinnen konnte Vivi sich bei ihrem ersten internationalen Großereignis direkt fürs Finale qualifizieren. Mit zwei souverän präsentierten, dynamischen Formen und starken Nerven zeigte sie, dass sie auf der Fläche stets noch mehr „brennt“ und ihre Leistung abrufen kann. In der Finalrunde konnte sie mit den Formen 4 und 9 nochmals ihre Stärken ausspielen und die Performance aus dem Halbfinale sicher bestätigten. In dieser sehr stark besetzten Klasse sicherte sich Vivi somit einen verdienten und tollen 6. Platz bei ihrem ersten Einsatz für das Nationalteam.

 

Vivi Do & Tommy Lüdders, Platz 5 Paar Kadetten

Vivi und Tommy haben bei ihrem ersten gemeinsamen Start auf einer EM alles aus sich herausgeholt und echte Mentalität und Charakter bewiesen. Nachdem sich ihr Start am Wettkampftag mehrfach hinausgezögert hatte, konnten die beiden auf der Fläche zeigen, dass sie zu Europas Besten gehören. Eine tolle Leistung, die am Ende für Platz 5 reichte. Vor allem menschlich sind die beiden zusammengewachsen und werden daraus in Zukunft sicherlich noch mehr Energie und Motivation schöpfen.

 

Anna Siepmann, Bronze Einzel Junioren weiblich

In ihrem letzten Jahr in der Juniorenklasse ging Anna hoch motiviert und fokussiert an den Start. Diese Klasse war die einzige des Turniers, die über drei volle Runden ging. Mit Platz 6 in Vorrunde und Halbfinale lag Anna immer in Schlagdistanz zu den Medaillenrängen. Im Finale setzte Sie noch einmal alles auf eine Karte und wurde dafür belohnt: Souverän und mit starker Ausstrahlung überzeugte Anna die Kampfrichter und errang völlig verdient Bronze.

 

Mian Fromm, Platz 8 Einzel Junioren männlich

Mian trat in einem stark besetzten Starterfeld bei den Junioren an. Von Beginn an präsentierte er seine Formen gewohnt technisch sehr ausgefeilt, spannend und ausstrahlungsstark. So sicherte er sich den Einzug in die Finalrunde. Mit den Formen 8 und 10 riskierte Mian alles und zeigte sich angriffslustig, um in die Medaillenvergabe eingreifen zu können. Für ihn ging es leider nicht mehr weiter nach vorne und so beendete Mian den Wettkampf mit zwei souverän präsentierten Formen auf einem starken 8. Platz in diesem hart umkämpften Finale.

 

Anna Siepmann & Tim Do, Bronze Paar Junioren

Hoch konzentriert und akribisch haben sich Anna und Tim auf ihren Start vorbereitet. Starke und hohe Kicks zählen zu ihren Vorzügen und die konnten sie im Halbfinale perfekt abliefern. Rang 2 nach der ersten Runde, äußerst knapp hinter Spanien, berechtigte zum Träumen. Voller Angriffslust gingen beide ins Finale, Drehungen und Kicks noch einmal genau aufeinander abgestimmt, und brachten das auch genauso auf die Matte. Der Rückstand hinter Spanien blieb, das italienische Paar setzte sich mit einer überragenden Leistung an die Spitze. Fazit: Bronze gewonnen, nicht Silber verloren.

 

Nami Vuong, Bronze Einzel U 30 weiblich

Nach Namis hervorragenden Leistungen auf den internationalen Online-Turnieren war es in Portugal nun soweit, auch in Präsenz mit ihrer Ausstrahlung und ihren Formenvorträgen Kampfgericht und Publikum zu begeistern. Souverän und präzise arbeitete sich Nami Battle für Battle bis ins Halbfinale vor. Ihre klare Technikdarstellung und Dynamik überzeugten ebenso wie die einzigartige Ausstrahlung, so dass sich Nami verdient über die Bronzemedaille in einer der am stärksten einzuschätzenden Kategorien – Silber und Gold ging an die mehrfachen EM- und WM- Medaillengewinnerinnen Eva Sandersen aus Dänemark und Elif Yilmaz aus der Türkei - freuen konnte.

 

Patrick Kuzenko, Platz 9 Einzel U 30 männlich

Patrick konnte sich in seinem ersten Jahr bei den „Senioren“ direkt die Nominierung für die Euro erarbeiten. Seine langjährige internationale Erfahrung und die akribische Vorbereitung zahlten sich im ersten Battle aus. Mit zwei hervorragend präsentierten Vorträgen konnte Patrick seine Stärken in Szene setzen und zog souverän in die nächste Runde ein. Dort traf er auf den Vertreter der Türkei, einen international erfahrenen Sportler. Auch hier zeigt Patrick in den Formen 7 und 10 Nervenstärke und warf alles in die Waagschale. Knapp musste er sich trotz seiner starken Performance dem späteren Bronzemedaillengewinner geschlagen geben. Ein gelungener Einstand in der Klasse bis 30.

 

Marina Briechle & Emir Can Erdemir, Platz 5 Paar U 30

Marina und Emir Can konnten bei ihrem ersten gemeinsamen Start auf der internationalen Bühne von Beginn an mit einer stimmigen und harmonischen Präsentation überzeugen. In der stark besetzten Klasse sicherten sie sich nach zwei spannenden und umkämpften Durchgängen Platz fünf. Damit lagen sie nur wenige Hundertstel und einen Wimpernschlag hinter dem französischen Paar, das Bronze errang.

 

Emir Can Erdemir, Leon Pfaffl & Patrick Kuzenko Bronze Team U 30 männlich

Für ein Team, das auf ganz Deutschland verteilt lebt, war die Vorbereitung unter den Rahmenbedingungen der letzten Monate besonders schwierig. Zudem startete das Vizeeuropateam von 2019 in einer neuen Altersklasse, was die Prognose nicht leicht machte. Aus diesem Grund lösten sich die drei von der Erwartungshaltung und fokussierten sich auf die Leistung: Halbfinale souverän durchlaufen und im Finale die Fläche zum Brennen bringen. Merkte man ihnen im Halbfinale noch die Nervosität an, schafften Sie im Finale genau das: Angepeitscht durch ein euphorisches Team auf den Rängen arbeiteten sie sich noch 2 Ränge nach vorne und wurden mit Bronze belohnt. Ein großartiger Erfolg und vielversprechender Ausblick für drei junge Sportler in dieser Altersklasse.

 

Bärbel Reiner, Silber Einzel U 40 weiblich

Bärbel zeigte sich vom ersten Battle an gegen die Starterin aus Österreich konzentriert, dynamisch und auf den Punkt gut vorbereitet. Ihr Halbfinale gegen die Dänin konnte sie ebenso souverän für sich entscheiden. Eine Medaille war damit bereits sicher! Nina Bansal aus Norwegen, seit einigen Jahren eine der Topathletinnen in Europa, wartete im Finale. Beide Sportlerinnen begeisterten mit zwei hervorragend präsentierten Formenvorträgen. Bärbel gewann mit einer Topleistung verdient die Silbermedaille. 

 

Roger Kesternich, Platz 9 Einzel U 40 männlich

Roger ist der Silbermedaillengewinner der Herzen. Als ungesetzter Starter, da er neu in dieser Klasse ist, hatte er das Pech, sein erstes Battle gegen den späteren Europameister aus Spanien bestreiten zu müssen. Die beiden lieferten sich ein Match auf höchstem Niveau mit einem knappen Ergebnis nach der ersten Form. In der zweiten setzte Roger in seiner Paradeform Pyongwon alles auf Sieg, was leider nicht belohnt wurde. Knapp geschlagen bleibt die Erkenntnis, dass Roger mit seinen Punkten allen anderen Sportlern dieser Kategorie das Wasser hätte reichen können.

 

Christian Senft, Platz 5 Einzel U 50 männlich

Als einer der erfahrensten Athleten aus dem deutschen Team startete Christian gleich am ersten Wettkampftag. In einer Klasse, in der sich die Sportler seit Jahren kennen, war von Beginn an klar, dass es ein spannender und enger Wettkampf werden würde. So kam es auch: Christian konnte sich im Halbfinale direkt auf einen Bronze-Platz setzen. Auch im Finale zeigte er eine gewohnt starke Performance. Leider nutze der portugiesische Sportler seinen kleinen Heimvorteil und zog im Finale noch vorbei. Denkbar knapp mit 0,015 Punkten verfehlte Christian die Bronzemedaille.

 

Heekyung Reimann, Silber Einzel U 60 weiblich

Heekyung hatte bei ihrem ersten Start für das Nationalteam eine starke Konkurrenz aus Medaillengewinnerinnen bei EM und WM. Mit sauberen Techniken und einem feinen, sehr harmonischen Laufstil, der von gut ausgebildeter Körperstabilität zeugt, unterschied sie sich deutlich von der eher kraftvoll laufenden Konkurrenz. Das Ergebnis beweist, dass beides die Kampfrichter überzeugen kann. Silber hinter der mehrfachen Europameisterin Sibylle Forca aus Frankreich ist ein großartiger Einstand für Heekyung.

 

Kai Müller, Bronze Einzel U 60 männlich

Kai hatte es mit einem illustren Starterfeld mehrerer ehemaliger Europameister zu tun. Nach dem Halbfinale lag er auf dem 5. Rang, der Auftrag für das Finale lautete also Angriff und volles Risiko. Mit zwei ausdrucksstarken Formen, dynamischen Kicks und gutem Timing setzte er sich mit deutlichem Vorsprung an die Spitze des Klassements, dann hieß es Warten auf die Ergebnisse der vor ihm platzierten Athleten. Ausgerechnet der vielfache Europameister Dang Ky-Tu aus Dänemark konnte nicht mithalten und wurde von Kai aus den Medaillenrängen verdrängt, was vor ihm noch keinem deutschen Sportler gelungen ist. Ein großartiger persönlicher Erfolg für Kai!

 

Manfred Stadtmüller, Gold Einzel U 65 männlich

Auch für Manfred war es nach der abgesagten WM 2020 der erste Start für das deutsche Nationalteam. Und er trat mit einer schweren Hypothek an, denn die Vorerfolge gaben berechtigte Hoffnung auf vordere Plätze. Mit der Keumgang hatte er eine Pflichtform erwischt, die solche Träume schnell zerplatzen lassen kann. Doch Manfred behielt die Nerven, ließ sich von leichten Wacklern nicht beeindrucken und kämpfte bis zum Schluss. Nach dieser Form auf Rang 2 liegend, packte er eine beeindruckend starke Chonkwon mit einem großartigen Sprungkick aus und sicherte sich zu Recht den Europameistertitel 2021.  

 

Bärbel Reiner & Stefan Brummer, Bronze Paar Ü 30

Nach einer langen und anstrengenden EM startete die Gruppe von Bärbel und Stefan am letzten Tag als letzte mit deutschen Startern besetze Klasse. Mit dem deutschen Team im Rücken und einer Einzelmedaille von Bärbel im Gepäck machten die beiden das, was sie am besten können: Sie fanden zu sich und fokussierten sich als Paar. Damit konnten sie direkt die Bronze-Ränge anvisieren. Die Ausrichtung für den Finallauf war klar: Vollgas, was Bärbel und Stefan dann auch mit viel Explosivität und Power umgesetzt haben. Letztendlich blieb es zwar bei Bronze, aber einem tollen Wettkampf, auf den die beiden stolz sein dürfen.

 

Binh Duong, Tilman Gothner & Patrick Lebens, Silber Team Ü 30 männlich

Binh, Tilman und Patrick haben es sehr spannend gemacht. Silber sollte es nach dem Erfolg 2019 schon sein. Das ist eine Hypothek und kann die Beine lähmend schwer machen – aber nicht so in diesem Fall. Als Team kompakt und bestens aufeinander eingestimmt konnten sie mit einer starken Form mit den führenden Portugiesen gleichziehen. Ein kleine, aber wohl entscheidende Asynchronität in der sonst sehr homogenen Jitae kostete dann knapp den Sieg. Und so jubelten am Ende zwei Teams: die erleichterten Europameister aus Portugal und das deutsche Team über die erneute Silbermedaille.

 

Adina Machwirth, Platz 6 Einzel Freestyle U 17 weiblich

Zum ersten Mal im Einzelstart auf einem großen Turnier präsentierte Adina ihre vielseitigen Qualitäten. Mit ihrem Slow-Motion-Yeopchagi und zwei Schraubenbewegungen zeigte sie mehrere Elemente, zu denen nur wenige imstande sind. Auch in Sachen Ausdruck und Präsentation legte Adina ihre ganze Leidenschaft in jede Technik und jeden Sprung. Einzig kurz vor Schluss zeigte sie kurz Nerven, als ihr der wichtige Rückwärtssalto missglückte. Dies kostete sie Punkte und am Ende landete sie auf einem etwas ärgerlichen 6. Platz, dennoch setzte sie ein Zeichen und offenbarte großes Potenzial.

 

Julius Müller, Platz 7 Einzel Freestyle U 17 männlich

Julius lieferte auf seiner EM-Premiere eine konzentrierte und souveräne Leistung ab. Seine ruhige und kraftvolle Präsentation harmonierte mit Musik und Choreografie seiner Form, in den Elementen zeigte er sich gewohnt sicher. In der starken Juniorenklasse musste er sich den hohen Standards geschlagen geben und verpasste leider den Sprung aufs Podium. Sein Blick ist nun in Richtung der Spitze gerichtet und die Trainingsmotivation ist geschürt, um die nächsten Schritte anzugehen.

 

Leah Lawall, Platz 5 Einzel Freestyle Ü 17 weiblich

Leah startete nach dem Altersklassenwechsel zum ersten Mal bei den Senioren. Trotz einer Verletzung an der Hand zeigte sie sich sehr konzentriert und frisch. In ihrer typischen Art überzeugte sie mit sehr souveränen Pflichtelementen und routinierter Choreografie. Sie reihte sich mit ihrem Schwierigkeitsgrad klar in die Gruppe der Medaillenkandidaten ein. Am Ende fehlten nur wenige Hundertstel zur Bronzemedaille, welche absolut verdient gewesen wäre. Nun heißt es, die Verletzung auszukurieren und dann stärker als je zuvor zurückzukommen.

 

Jules Berger, Platz 8 Einzel Freestyle Ü 17 männlich

In der Königsklasse der Freestyle-Einzelstarts erreichte das Niveau insbesondere im akrobatischen Bereich den Höhepunkt des Turniers. Jules konnte im Schwierigkeitsgrad mit der Spitze mithalten und zeigte eine persönliche Bestleistung in Sachen Ausdruck, Willensstärke und Wow-Faktor. Trotz der unerwarteten Platzierung war das Turnier ein wichtiger und sehr erfolgreicher Schritt, um sich im internationalen Freestyle zu etablieren.

 

Adina Machwirth & Julius Müller, Platz 5 Paar Freestyle U 17

Am Tag nach ihren Einzelstarts traten Adina und Julius im Paarlauf der Junioren an. Mit einer runden Choreografie setzten sie ihre großen Stärken gekonnt auf der Fläche um. Julius im Bereich Tricking und durch seinen Drehkick, Adina durch ihre hohen Kicks und kraftvolle Präsentation von Armtechniken. Verknüpft wurden die Solostellen von sauber synchronisierten, gemeinsamen Passagen. Aufgrund kleiner Patzer reichte es auch hier nur für den unglücklichen 5. Platz. Die beiden haben jedoch gezeigt, dass in Zukunft mit ihnen zu rechnen ist.

 

Steven Behn & Nami Vuong, Bronze Paar Freestyle Ü 17

Zwischen der sehr starken, teils etwas akrobatiklastigen Konkurrenz stachen Nami und Steven durch ihre ausgewogene und beeindruckende Choreografie hervor. Ein Überraschungseffekt jagte den nächsten, an Originalität und Leidenschaft war die Performance nicht zu überbieten. Was die anderen Nationen ihnen an Schwierigkeitsgrad voraus hatten, konnte das Paar in der Präsentation wettmachen und sich mit dem Platz auf dem Podium belohnen. Während Nami damit einen beeindruckenden Start in den internationalen Top-Freestyle hinlegt, beweist Steven durch seine vierte medaillendekorierte Europameisterschaft in Serie sein konstantes und zuverlässiges Spitzenniveau.

 

„Nach fast zwei Jahren Wettkampfpause ist das deutsche Team in vielen Kategorien neu besetzt an den Start gegangen. Entsprechend schwierig war es, eine Erfolgsprognose abzugeben“, resümiert Bundestrainerin Imke Turner, die erstmals in neuer Funktion an und nicht mehr auf der Matte stand. „Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen und verspricht eine erfolgreiche sportliche Weiterentwicklung.“ So lautet auch das Fazit von Bundestrainerin Daniela Koller, die das Team in dieser Funktion bereits seit 2018 begleitet: „Das Team war top motiviert und akribisch vorbereitet, die Sportler:innen zeigten Höchstleistungen auf der Fläche, unterstützten einander und präsentierten sich als geschlossenes und starkes Team.“ Paul Knauthe, für den es ebenfalls der erste Einsatz als Bundestrainer nach seiner aktiven Karriere war, bestätigt dem deutschen Team einen beeindruckenden Leistungsstand gerade nach den schwierigen Monaten, „das ist nur durch hervorragende Unterstützung in den Vereinen und Landesverbänden möglich.“ Das dann wirklich alle Sportler ihre Leistung im Moment der Wahrheit auf die Fläche gebracht haben zeige, dass das Bundestrainerteam mit der Ausrichtung der letzten Kadermaßnahmen auf Präsentation und mentale Komponenten richtig lagen – es konnte von der Mannschaft überragend umgesetzt werden. Auch Bundestrainer Freestyle Lukas Stein ist sehr zufrieden: „Es hat allen unglaublich gefehlt, auch mich hat es sehr in den Beinen gejuckt beim Anblick der Freestyler“, gibt Stein zu, der auch zum ersten Mal als Bundestrainer und nicht als Starter auf ein Großturnier reiste. Jede:r einzelne habe trotz der Einschränkungen seine bzw. ihre Leistung auf die Matte gebracht. Bundeskampfrichterreferent Technik Andreas Osthoff, ebenfalls zum ersten Mal in dieser Rolle bei einer Euro dabei, bestätigt den Eindruck der Bundestrainer und ergänzt aus seiner Sicht: „Man konnte bereits ab der ersten Klasse erkennen, dass sich die Athleten hervorragend vorbereitet haben und uns sehr enge Wettkämpfe bevorstehen würden.“ In vielen Klassen seien die Leistungen dann auch extrem eng beieinander gewesen. Zudem stellt Osthoff auch fest, dass der Freestyle-Bereich erneut große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht hat.

Als Vizepräsident Technik und Head of Team der deutschen Mannschaft war Rainer Tobias sichtlich stolz auf die Performance der deutschen Nominierten: „Was das Team unter diesen wirklich nicht einfachen Rahmenbedingungen in Vorbereitung und Wettkampf geleistet hat, ist großartig. Dafür möchte ich allen Beteiligten danken.“ Auch für ihn war die Euro eine Premiere in seiner neuer Funktion. „Einen Einstand mit 12 Medaillen kann man sich nur wünschen, vor allem aber ein so harmonisches Teamgefüge. Die Mannschaft hat Charakter bewiesen und ihre Leistungsfähigkeit demonstriert“, resümiert Tobias und blickt bereits nach vorne: „Ich hoffe, dass sich die weltweite Situation verbessert und die für 2022 angesetzte WM stattfinden kann.“

 

 

 

Hier einige Impressionen:

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