Duale Karriere: Alema Hadzic über ihren Spagat zwischen Leistungssport und Studium



Meine Ausgangssituation
Während man von den meisten Leistungssportlern hört, dass sie ihre Sportart von klein auf betrieben und damit aufgewachsen sind, war dies bei mir nicht der Fall. Im Laufe meiner Kindheit und Jugend habe ich einige Sportarten ausprobiert (z. B. Leichtathletik und Fußball), welche mir jedoch nie genug Spaß gemacht haben, dass ich sie über einen längeren Zeitraum betreiben wollte. Dies war erst der Fall, als ich im Alter von 14 Jahren mit dem Taekwondo angefangen habe.

Mein schulischer Werdegang
Nach der Grundschule (Bartholomäus Schule Nürnberg) fing ich 2011 am Hans-Sachs-Gymnasium  Nürnberg an, wo ich schließlich 2019 mein Abitur mit einem Schnitt von 1,4 abschloss. Meine Schule  hat mich in meiner sportlichen Laufbahn stets unterstützt. Ich wurde beispielsweise für Turniere und  Lehrgänge freigestellt und konnte verpasste Klausuren ohne größeren Stress nachschreiben. Dass  dies so unproblematisch war, war vor allem in meiner Abiturzeit eine große Hilfe, da ich so optimal  eine Balance zwischen der Vorbereitung auf das Abitur und der Vorbereitung auf die WM 2019  finden konnte.

Mein sportlicher Werdegang
Mein erster und einziger Taekwondo-Verein war Taekwondo Özer Nürnberg, wo ich 2014 mit dem  Training anfing. Mir machte der Sport von Anfang an großen Spaß und ich fühlte mich mit meinem  Trainer Özer Gülec und meinem Team sehr wohl, weshalb ich immer regelmäßig ins Training ging. So kam es, dass ich 2016 das erste Mal deutsche Meisterin wurde und kurz darauf bei den Serbian Openmeine erste internationale Medaille gewann. 2017 startete ich dann das erste Mal für das deutsche  Nationalteam.

Seitdem erreichte ich regelmäßig bei G1 Turnieren die Medaillenränge. Zu meinen größten Erfolgen  zählen die Bronzemedaillen bei der Jugend EM 2017 und der Junioren EM 2018, sowie die Teilnahme  an weiteren Europameisterschaften, an vier Grand Prix und an der Weltmeisterschaft 2019.

Nun freue ich mich bei der Europameisterschaft 2021, für die ich mich kürzlich qualifizieren konnte,  an den Start zu gehen.

Mein Weg an die TH Nürnberg
Nach meinem Abitur wusste ich zwar, dass ich studieren will, jedoch nicht genau was. Im  Internet wurde ich auf den Studiengang Media Engineering an der Georg-Simon-Ohm Hochschule  Nürnberg aufmerksam. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Informatik und Design.

Nach zwei Semestern merkte ich, dass mir der technische Aspekt des Studiengangs eher zusagt,  weshalb ich mich dazu entschloss, zur Informatik zu wechseln. Das finde ich interessant und bin sehr zufrieden mit meiner Wahl.

Mein Alltag als studierende Spitzensportlerin
Unter normalen Bedingungen trainiere ich in der Woche fünf- bis sechsmal taekwondospezifisch,  mache drei- bis viermal Krafttraining und gehe ein- bis zweimal laufen oder Fahrrad fahren. Mit dem Studium lässt sich das gut vereinbaren, indem man die Trainingszeiten an den Stundenplan anpasst.  Die ganze Corona-Situation vereinfacht dies sogar, da bei mir zurzeit alle Vorlesungen online stattfinden. Deswegen kann ich viele Vorlesungen flexibler als sonst besuchen und mir zusätzlich den Wegzur  Uni und wieder nach Hause sparen.

Meine größten Unterstützer
Ich danke der DTU für die Möglichkeit, meinen Sport auf so hohem Niveau betreiben zu können undallen  Trainern, die mich dabei unterstützen. Dahin gebracht, haben mich aber mein Trainer Özer  Gülec, meine Trainingspartner und mein Verein, indem sie mich immer motiviert haben, das Beste  aus mir herauszuholen und an mich geglaubt haben. Ohne ihre Unterstützung und die  Unterstützung meiner Familie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.  Außerdem bin ich sehr dankbar dafür, wie zuvorkommend die Lehrer und Professoren, sowohl an  meiner Schule früher als auch an der Uni jetzt, sind, da dies die Kombination von Studium und  Leistungssport deutlich leichter macht.

Meine berufliche Zukunft
Das Feld der Informatik bietet unzählige Möglichkeiten und da ich mich erst am Anfang meines  Studiums befinde, weiß ich noch nicht, in welche Richtung ich beruflich gehen möchte. Ich werde das  weitere Studium dazu nutzen, meine Interessen herauszufinden und mich in diesen zu spezialisieren.

Meine sportlichen Ziele
Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Jetzt konzentriere ich mich aber erst einmal  auf die Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2021 und hoffe, dass ich da das Bestmögliche  herausholen kann.

Was ich anderen Sportlern und Sportlerinnen rate
Das wichtigste, um Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bringen, ist Kommunikation.  Sowohl mit der Uni als auch mit den Trainern. Man sollte den einzelnen Professoren so früh wie  möglich Bescheid sagen, falls man auf irgendeine Weise Hilfe braucht, da sich die meisten Probleme  schnell und einfach lösen lassen, wenn man sie nur rechtzeitig anspricht. Es ist aber auch wichtig,  sich mit den Trainern abzusprechen, um den individuellen Trainingsplan zu optimieren, sodass alles  so stressfrei wie möglich läuft.