Drei Chancen erkämpft, keine genutzt – Wir beenden die EM mit zwei Medaillen



Auch am letzten Tag konnte der Fluch der vorherigen vier Viertelfinals nicht gebrochen werden. Somit erhöht sich unser Konto der fünften Plätze auf insgesamt sieben. Die Enttäuschung ist zu spüren, doch der Blick geht nach vorne! Rom wartet auf 10 deutsche Spitzensportler.

„Wir können mit dem Ergebnis dieser Europameisterschaft nicht zufrieden sein. Zwei Bronzemedaillen sind für unser Team, was aus meiner Sicht sehr viel mehr Potenzial hat, zu wenig. Die Vorbereitung war aus unserer Sicht gut, über eine lange Zeit wurde zentralisiert trainiert, es gab viele Trainingslager mit internationalen Trainingspartnern und auch die Wettkampfleistung auf den Turnieren in diesem Jahr hat gestimmt. Ich habe Vertrauen in die Sportler und in die Arbeit der Trainer. Ich denke die neue Teamkonstellation braucht noch etwas Zeit, um das Team stärker zu formen.

Die EM war jetzt ein guter Zwischenstand für unser Hauptturnier in diesem Jahr – die Weltmeisterschaft im November. Dafür haben die Trainer noch gut ein halbes Jahr Zeit, das Team vorzubereiten, damit wir wieder mehr Medaillen gewinnen.

Das ganze Team ist motiviert, um diese große Aufgabe mit der WM anzugehen.“ SchlussfolgertVize-Präsident Zweikampf Jannis Dakos. 

 

Was am heutigen vierten Wettkampftag geschah:

Bei ihrer insgesamt 16. Europameisterschaft startete Anna-Lena Frömming in der Gewichtsklasse -62Kg mit einem soliden 9:4 Punkte Sieg über die Fanzösin Clara Maillien. Die erste Viertelfinalteilnahme an diesem Tag war gesichert.

Kurze Zeit später folgte Cem Ünlüsoy in der Schwergewichtsklasse (+87Kg) ins Viertelfinale. Er besiegte in einem tollen Auftaktkampf den Schweden Erik Faramakaas mit 20:17 Punkte. Sehenswerte Kopftreffer und auch einige Drehtechniken fanden eine Wertung. 

Eduard Drewlau (-74Kg) setzte den erfolgreichen Weg von Team GER an diesem Tag fort. In einem spannenden Kampf behält Eduard die Übersicht, besiegt den Italiener Samuele Baliva mit 12:8 Punkten und sicherte die dritten Medaillenchance an diesem Tag.

Die positive Stimmung, dass heute die erhoffte dritte Medaille kommen würden, wuchs.

Doch sowohl Anna-Lena, also auch Cem und Eduard schafften es in ihren Medaillenkämpfen nicht, die Kontrolle über ihre Gegner zu bekommen. Eduard, der aus Bundestrainersicht heute die größten Medaillenchancen bei den Herren hatte, blieb phasenweise unter seinen Möglichkeiten. Betrachtet man das so knappe Endergebnis von 7:6 Punkten gegen den Vize-Olympiasieger (Jugend) Badr Achab aus Belgien war die Medaille mit einer normalen Performance absolut machbar. 

Wenn Eduard den Kampf von Anfang an mehr in die Hand genommen hätte, wäre er als Sieger von der Fläche gegangen. Bei Cem war es von Anfang schwierig, da der Aserbaidschaner größenmäßig deutlich überlegen war.“ bewertet Marco Scheiterbauer das Abschneiden seiner Herren. Dennoch startete Cem aktiv und beherzt in diesen Medaillenkampf. Setzte einige Treffer, kämpfte, musste am Ende aber dem Olympiasieger 2016, Weltmeister 2015 und Europameister 2018 den Sieg lassen. 

Die letzte Medaillenchance aus Damensicht lag bei Anna-Lena Frömming. Doch mit der Tschechin Petra Stolbova hatte Anna es mit einer starken Athletin zu tun. Zunächst blieb der Kampf ausgeglichen, doch zwei Aktionen brachten der Tschechin eine komfortable Führung, die sie bis zum Endstand von 18:8 Punkten verteidigte. 

„Meine Erwartungen waren weit mehr als das, was wir als Team hier in Manchester erreicht haben. Wir müssen akzeptieren, dass wir nur eine Medaille gewonnen haben. Ich habe gedacht, dass wir in dieser kurzen Zeit von fünf Monaten eine größere Veränderung bewirken. Aber mit dem Ergebnis von Manchester sehen wir diese große Veränderung noch nicht. So wie die Damen gekämpft haben, hat mir größtenteils gefallen. Wie sie die Kämpfe gestaltet haben, war gut. Oft war es sehr knapp und in drei Klassen haben wir gegen die späteren Siegerinnen verloren. Das zeigt mir, dass die Athletinnen auf dem richtigen Weg sind. Ich bin mir sicher, dass unser System noch etwas mehr Zeit braucht. Dann kommen auch noch bessere Ergebnisse.“ resümiert Damenbundestrainer Balazs Toth. 

Wir bedanken uns an dieser Stelle auch ganz herzlichen bei Dr. Reza Rahimi und Physiotherapeut Oliver Reiff. Beide haben in gewohnter Manier an jedem Wettkampftag vollen Einsatz gezeigt, um unsere Sportlerinnen und Sportler fit und körperlich unversehrt durch diese anstrengenden Wettkämpfe zu begleiten. 

Die Abschlusszeilen werden geschriebenm, obwohl ein Deutscher immernoch unermüdlich auf und neben der Fläche aktiv ist. Unser Kamprichter Abdullah Ünlübay steht heute, wie schon an einigen anderen Tagen wieder als Kampfrichter bei den Finalkämpfen auf der Fläche. Auch hier geben wir ein großes Lob und einen großen Dank für all die Arbeit die hier täglich geleistet wird. 

Die Reise und das Punktesammeln geht unermüdlich weiter.

Bereits in zwei Wochen startet ein großes Team bei dem Grand Prix in Rom, wo es die sechsfachen Weltranglistenpunkte zu holen gibt. Hier wird erstmals bei einem großen Event mit den neuen WT-Wettkampfregeln gekämpft. Außerdem kämpft jeder Athlet in seiner Olympischen Klasse, was für alle Athleten wieder eine neue Herausforderung werden wird. Für einige, wie z.B. Eduard Drewlau wird es gar eine ganz neue, denn er wird erstmals in der Olympischen Klasse -68Kg antreten. 

Deutschland hat für diesen Grand Prix vier Herren und sechs Damen qualifiziert. Das bestätigt die aktuelle Klasse dieses Teams. 10 Plätze von möglichen 16 zu besetzen ist ein gutes Zwischenergebnis auf dem Weg nach Paris 2024. 

 

Bildergalerie der EM