Die Eröffnungsfeier in Tokio

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Ein 5-stündiger Einreiseprozess am Flughafen

Im Vorfeld der Spiele war klar, dass der Einreiseprozess zu den Olympischen Spielen streng und zeitaufwendig sein wird. Mussten im Vorfeld bereits zahlreiche Formalitäten erledigt werden. Zeitaufwendig war er mit insgesamt fast 6 Stunden definitiv. Die Strenge wurde allerdings durch Freundlichkeit der zahlreichen Helferinnen und Helfer ersetzt. Da ich früh morgen in Tokio gelandet bin, am Abend aber die Eröffnungsfeier stattfinden sollte, bin ich vom Flughafen direkt zum MPC (Main Press Center) mit dem Shuttle gefahren. Öffentliche Verkehrsmittel sind für mich verboten. Um diese zu nutzen, hätte man zuvor 14 Tage in Quarantäne gemusst. So nutze ich den öffentlichen Shuttle-Service und bekomme vom DOSB meine Eintrittskarte zur Eröffnungsfeier. „You are a lucky Girl“ sagte mir einer der Presse-Leute im großen Foyer des MPC. Ja, das bin ich wirklich. Überglücklich, endlich einmal die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele miterleben zu können. Nach dem ich in Peking und London nicht dran teilnehmen durfte, freue ich mich umso mehr auf dieses Erlebnis. Dafür nehme ich gerne in Kauf, dass die Zeit knapp ist und ich nur schnell meine Tasche im Hotel abstelle, um gleich mit einem offiziellem Tokio Taxi zum Olympiastadion zu fahren. 

 

Die stille Eröffnung der 30. Olympischen Spiele 

Der Taxi-Fahrer muss mich wegen einiger Absperrungen an einer Stelle in der Nähe des Stadions rauslassen und so laufe ich durch Tokios Straßen und erlebe hautnah auch den Protest, den die japanische Bevölkerung in sich trägt. Zahlreiche Menschen drängen sich dicht an dicht am Straßenrand vor dem Olympiastadion. Abstandsregel? Nicht zu sehen. Nur die Maske ist hier bei jedem stets präsent. Gut, dass ich mit meiner Akkreditierung den abgesperrten Bereich laufen muss/darf. So schaffe ich es rechtzeitig ins durch den Presseeingang ins Stadion. Sofort spüre ich Olympisches Flair. 

Zahlreiche Presseplätze sind bereits belegt. Doch es wurde großzügig kalkuliert und ich bin tatsächlich überrascht, wie viel Presse für dieses Mega-Event vor Ort ist. Es macht mich unglaublich stolz, hier dabei sein zu können. Ich laufe erstmal durch das Stadion und genieße die olympische Atmosphäre. Was in den Athleten vor geht, kann ich nachempfinden. Doch, wie wird es hier in Tokio? Ohne Zuschauer. Ohne Fans. Ohne die Unterstützung der Familie. Was geht in den Athleten vor, vor leeren Rängen zu kämpfen und hier im Olympiastadion einzulaufen.

Ich habe Alex dazu befragt:

„Natürlich war der Einlauf mit dem deutschen Team etwas Besonderes für mich. Auch wenn die Ränge leer waren. Gemeinsam mit bekannten Sportlern wie z.B. Alexander Zverev in das Stadion zu laufen, war schon cool. Man gehört einfach dazu. Egal aus welcher Sportart man kommt. Das wir vor leeren Rängen kämpfen müssen, ist schade. Genau das macht ja in unserer Sportart den Unterschied zu anderen Turnieren aus. Jubelnde Fans erlebt man sonst fast nur bei Olympia. Es kann aber für manche auch ein Vorteil sein, weil man nicht so nervös ist. Ich persönlich hätte gerne meine engsten Fans hier gehabt.“

Dr. Thomas Bach begrüßt, applaudiert, steht für eine Schweigeminute still und setzt sich, vermutlich höchsterleichtert, dass diese Spiele nun eröffnet werden, zurück auf seinen Platz. Die Protestrufe der Japaner, die vor dem Stadion am Straßenrand stehen sind zwar nicht zu überhören. Im Stadion selbst überwiegen aber Freude, Emotionen und Spannung. Hätte man auf die Bevölkerung hören sollen? Ein viel diskutierter Punkt in der Vorbereitung dieser Spiele. Ich von meiner Seite als ehemalige Olympionikin kann nur sagen: Ein Ausfallen der Spiele hätte so viele Träume zerstört und möglicherweise sogar Karrieren beendet. Darum freue ich mich, dass das IOC alles Mögliche getan hat, um diese Spiele sicher auszurichten. 

Die Pandemie schwebt dennoch über allem

Das diese Pandemie knallhart ist, erlebten bereits einige Sportler. Ungemein traurig macht es mich, dass der Virus den Traum von einer olympischen Medaille für meine ehemalige Trainingspartnerin Reshmine Oggink zerstört hat. Positiv im Dorf getestet bedeutet den Ausschluss der Spiele. Kurzzeitig flammte der Traum von einer Olympiateilnahme noch bei unserer deutschen Starterin Lorena Brandl auf. Denn sie hatte beim Qualifikationsturnier in Sofia Bronze erkämpft und hätte somit nachrücken können. Hätte, denn dafür hätte das Testergebnis der Holländerin vor dem Head-of-Team-Meeting vorliegen müssen. Auf sofortige Nachfrage seitens der DTU wurde uns mitgeteilt, dass diese Regel gilt und keine Sportlerin nach dem Head-of-Team Meeting nachrücken darf. So sind die WT-Regeln. Diesen müssen wir uns beugen. Auch wenn es doppelt traurig ist: Für Reshmine und für Lorena.  

14 Fahnenträger aus dem Taekwondo

Bei der Eröffnungsfeier durften insgesamt 14 Sportler/innen die Flaggen ihrer Länder in das Olympiastadion führen. Erstmals bei Olympischen Spielen trugen ein Athlet und eine Athletin ihre Länderflagge. Ein Zeichen der angestrebten Geschlechtergleichheit hier bei diesen Olympischen Spielen. Das deutsche Team wurde von Laura Ludwig (Beachvolleyball) und Patrick Hausding (Wasserspringen) mit großen Emotionen angeführt. 

Diese Taekwondo-Sportler/innen trugen die Flaggen für ihre Länder: 

Damen

  • Farida Azizova (Azerbaijan) 
  • Nigora Tursunkulova (Uzbekistan) 
  • Hedaya Wahba (Egypt) 
  • Malia Paseka (Tonga)
  • Paola Avila Ramirez (Honduras)
  • Julyana Al-Sadeq (Jordan)

Herren

  • Farzad Mansouri (Afghanistan)
  • Anthony Mylann Obame (Gabon) 
  • Dejan Georgievski (Macedonia)
  • Cheick Sallah Cisse (Cote D’Ivoire)
  • Shuai Zhao (China)
  • Pita Taufatofua (Tonga)
  • Abdoul Razak Issoufou Alfaga (Niger)
  • Seydou Fofana (Mali)

Fotos: © Team Deutschland / Paul Hüttemann und © Philipp Reinhard