Deutschland schickt Erfolgs-Duo zur Para-EM

  •     


„Wenn jemand Ehrgeiz, Leidenschaft, Fleiß und Spaß sehen möchte, dann muss er Wettkämpfe im Para-Bereich ansehen.“ - Hasim Celik WM-Bronzemedaillengewinner Zweikampf

 

Wie bei der vergangenen Weltmeisterschaft werden bei der kommenden Para-Europameisterschaft unsere beiden erfolgreichsten Para-Sportler, Hasim Celik und Christopher Frömmgen, am 31. Oktober die Deutschen Farben vertreten. Christopher startet in der Klasse P20 über 30 Jahre. Hasim wird in der Klasse K44 +75Kg um weitere Weltranglistenpunkte kämpfen. Beide kämpfen in Bari auch für mehr Resonanz und Interesse an ihrer Sportart.

Das Besondere an dieser Europameisterschaft ist, dass auch Nicht-Europäer an der Europameisterschaft teilnehmen können. Die aktuelle Teilnehmerzahl wird mit 240 Athleten in den 7 verschiedenen Kategorien (K40, K41, K42, K43, K44, P20, P30) beziffert. Hasim Celik schätzt die Konkurrenz ähnlich stark wie bei Weltmeisterschaft 2019 ein. Da es das letzte Turnier für den Para-Bereich in diesem Jahr ist, werden alle Top-Athleten aus der Welt in Bari vertreten sein. 

„Aktuell bin ich auf Platz 11 in der Weltrangliste und schaffe es auch mit einem Sieg der EM nicht mehr, mich direkt für die Paralympics in Tokyo zu qualifizieren. Das heißt, ich werde im April in Mailand versuchen noch über das kontinentale Qualifikationsturnier ein Ticket zu erkämpfen. Trotzdem werde ich in Bari mein Bestes geben und erhoffe mir einen Platz auf dem Treppchen,“ bewertet Hasim Celik seine aktuelle Ausgansposition.

 

„Es liegt wahrscheinlich an der Randsportart und nicht daran, dass es ein Para-Sportler ist. Das wäre zu grausam“ – Bernhard Thomys über die mangelnde Aufmerksamkeit nach dem WM-Erfolg

 

Christopher Frömmgen, der gemeinsam mit seinem Trainer Bernhard Thomys hart für dieses Turnier trainiert und ganz frisch die Prüfung zum 2. Dan erfolgreich abgelegt hat, will in Bari ganz ohne Druck an den Start gehen. „Hart trainieren und das Beste geben. Dann kommt auch der Erfolg“, nimmt Christopher die Rolle des „Gejagten“ gelassen. Denn das er nach seinem WM-Titel als Favorit auf die Fläche geht, ist seinem Trainer Bernhard Thomys bewusst. Dennoch will er ihn nicht unter Druck setzen und er solle ohne Last an den Start gehen. Nach dem WM Sieg, der völlig überraschend gekommen sei, waren alle sehr stolz. Es sei nur schade, dass der Erfolg so wenig Resonanz und Interesse gefunden habe. „Es liegt wahrscheinlich an der Randsportart und nicht daran, dass es ein Para-Sportler ist. Das wäre zu grausam“, gibt Bernhard Thomys seine Unmut über die mangelnde Aufmerksamkeit nach dem WM-Erfolg seines Schützlings zu Wort. 

„Mit Christopher Frömmgen hat Deutschland wieder einen Teilnehmer im Para Poomsae und das finde ich persönlich wunderbar. Der Bereich Para Poomsae gehört ja leider nicht zum Programm der Paralympics, daher wird dieser auch nicht vom Deutschen Behindertensportverband mit finanziellen Mitteln gefördert, wie es in meinem Bereich der Fall ist. Ich finde es aber toll, dass die DTU hier nun angefangen hat aus den Eigenmitteln den Para Poomsae Bereich, wenn auch aktuell noch im kleinen Rahmen, zu fördern,“ berichtet Hasim Celik über die nationale Unterstützung im Para-Bereich. 

Beim vergangenen Technik-Bundeskaderlehrgang war Christopher mit seinem Trainer erstmalig in eine DTU-Maßnahme integriert. Der Lehrgang diente weniger der EM-Vorbereitung, sondern eher einem ersten Kennenlernen. Für beide Trainer war die individuelle Betreuung unter der Vielzahl an Top-Athleten eine neue Herausforderung. „Es hat uns aber Spaß gemacht“, resümierte Bernhard Thomys die Zusammenarbeit. Ein erster Schritt, der uns aber auch allen verdeutlicht, dass wir in diesen Bereichen noch aktiver werden müssen. Wie dies konkret aussehen kann, wird der neue Para-Beauftragte der DTU, Arndt Mallepree nun mit den Beteiligten erarbeiten, damit er ab Januar in sein neues Amt starten kann.

Auf die Frage, ob es in Bari wieder zu einem Titel reicht, ließ sich Bernhard Thomys nicht aus der Reserve locken. „Wie jeder Sportler, haben auch wir Ziele und möchten gewinnen. Aber ob es zum Titel reicht? Wer kann das schon sagen“?

Für beide Sportler geht es in den nächsten Tagen noch mal in die letzte intensive Trainingsphase, um am 31. Oktober auf alle möglichen Variablen im Wettkampf vorbereitet zu sein.