Schulsport – Taekwondo

Ringen und Raufen im Schulsport

Ausgangslage:
Seit vielen Jahren wird in der fachwissenschaftlichen Diskussion wie auch in der Öffentlichkeit über den Nutzen des Kampfsports bei Kindern und Jugendlichen in Schule und Freizeit diskutiert. Das Erfahrungs- und Lernfeld „Kräfte messen und miteinander kämpfen“ wurde beispielsweise in der Grundschule in Niedersachsen in das Kerncurriculum Sport aufgenommen. Die Deutsche Taekwondo Union (DTU) will in mehreren Pilotprojekten ab 2009 Taekwondo weiter in den Schulsport integrieren. Seitens der DTU Jugend/Schulsportkommission wurde ein Konzept für „Taekwondo als Schulsport“ entwickelt.

Fragestellung:
Die Untersuchung soll aufzeigen, inwieweit sich Kampfsport und Körperkontaktspiele aus dem „Ringen und Raufen“ auf die motorische und psychische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen auswirken. Es soll primär der Frage nachgegangen werden, ob und unter welchen Bedingungen Kampfsport (Taekwondo) in Verbindung mit Körperkontakt -und Kooperationsspielen Einfluss auf das soziale Verhalten der Kinder- und Jugendlichen in Konfliktsituationen haben kann.

Untersuchungsdurchführung:
Die Untersuchung soll über einen zweijährigen Zeitraum hinweg stattfinden, da nur so die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet werden kann.
In mehreren Experimentalgruppen wird regelmäßig Kampfsport betrieben. In zwei Experimentalgruppen werden, in Zusammenarbeit mit einem Sozialpädagogen, neben dem Kampfsporttraining vorrangig Deeskalation, Konfliktbewältigung und kampfsportspezifische Philosophie/Verhaltensweisen erlernt.  Die Kontrollgruppen in den Schulen betreiben keinen Kampfsport. Sämtliche Gruppen sollten einen Querschnitt von Kindern und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten beinhalten. Taekwondo empfiehlt sich als eine Kampfsportart mit angemessenen, aber herausfordernden motorischen Anforderungen und stark ausgeprägter Verhaltensetikette. Inhaltlich wird sich an die Konzeption „Taekwondo als Schulsport“ der DTU orientiert. Dieses Konzept soll durch die Untersuchung gleichzeitig evaluiert werden.

Wissenschaftliche Begleitevaluation:
Während des Projekts werden vierteljährlich Tests und Befragungen der Probanden durchgeführt. Hierbei soll die emotionale Befindlichkeit durch standardisierte Fragebögen und zukünftig auch die motorische Entwicklung durch Sporttests untersucht werden. Die emotionale Befindlichkeit soll vor allem Auskunft über das Gewaltpotenzial der Kinder und Jugendlichen geben. Eine immer wieder gestellte und diskutierte Frage: Wo stehen wir im Schulsport? – und was bringt das Ganze eigentlich?

Der Ist-Stand:
Derzeit gibt es bundesweit rund 300 lizensierte Schulsportlehrer in etwa 150 aktiven Schulsportgruppen und -AGs (davon sehr viele Lehrer im aktiven Schuldienst). Eine beachtliche Zahl. Auch wenn der statistische Nachweis der Wirksamkeit bisher schwierig ist, sind seit der Ausbildung der ersten Schulsportlehrer 2008, bisher schätzungsweise bis zu 10.000 Kinder erreicht worden. Davon tritt erfahrungsgemäß später rund ein Drittel tatsächlich dem Partnerverein des örtlichen Schulsportprojekts bei.

Das Ziel:

Ziel ist es, vor allem Kinder zu erreichen, die bisher Taekwondo noch gar nicht kennen – sie im Schulsport für das Taekwondo zu begeistern und nach Möglichkeit nachhaltig zu binden. Hier ist die Präsenz an der Schule und perspektivisch auch im Vorschulbereich enorm wichtig. Denn genau hier findet oftmals die frühzeitige Selektion der Sportart statt. Die Auswahl ist breit, die Konkurrenz groß. Ist man nicht präsent, wandern die Kinder in andere Sportarten ab.

Die Perspektive:
Zukunftsaufgabe ist den Schulsportbereich noch mehr auszudifferenzieren und ihn auf die jeweilige Zielgruppe besser zu zuschneiden. Wichtig wäre hier zum einen der Kita-/Vorschulbereich (einige Pilotprojekte laufen dort bereits) und zum anderen die Ausbildung an den Universitäten, vor allem mit Blick auf die Lehramts-Studiengänge. Derzeit sind wir mit Lehraufträgen regulär an den Universitäten Leipzig, Göttingen und im Saarland vertreten. Ebenso muss weiterhin die fachliche/wissenschaftliche Begleitung gesichert sein, bisher sind hier zwei Fachbücher entstanden. Auch die statistische Evaluierung im Sinne eines Nachweises für die Wirksamkeit des Schulsport-Programms steht auf der Agenda. Anfang 2015 wird es zudem eine Fachkonferenz zum Schulsport geben, an der auch Experten anderer Sportarten teilnehmen werden.